Der größte Börsengang der Welt steht bevor
Freitag ist es soweit: SpaceX bringt sein Raumfahrtgeschäft an den Aktienmarkt und könnte damit einen neuen Rekord aufstellen. Mit einer Bewertung, die Experten auf über 200 Milliarden Dollar schätzen, hätte der Börsengang das Volumen aller bisherigen IPOs in den USA übertroffen. Zum Vergleich: Saudi Aramco, lange Zeit der größte Börsengang, kam 2019 auf gut 29 Milliarden Dollar. Das Interesse ist enorm – kein Wunder bei einem Unternehmen, das Satelliten ins All schießt und Raumtourismus anbietet.
Die Frage, die viele Kleinanleger beschäftigt: Sollte ich dabei sein, oder ist das zu spät? Der Hype um SpaceX ist groß, doch gerade das ist ein Warnsignal. Wenn alle von einem IPO sprechen, sind oft die besten Gewinnchancen bereits eingepreist.

Geschäftsmodell unter der Lupe: Ist SpaceX wirklich wertvoll?
SpaceX verdient Geld auf mehreren Säulen. Die Starlink-Satellitenserie generiert zuverlässige Abonnement-Einnahmen, während kommerzielle Raumfahrtmissionen für Kunden wie die NASA oder private Firmen hohe Margen bringen. Das klingt solide – und ist es auch. Doch hier liegt der Haken: Die Bewertung von über 200 Milliarden Dollar bewertet SpaceX wie ein etabliertes Tech-Konzern-Konglomerat, obwohl das Unternehmen in vielen Bereichen noch experimentiert.
Die Profitabilität ist fragil. Starlink etwa subcribeabert derzeit mit niedrigen Preisen, um Marktanteile zu gewinnen. Kostensteigerungen durch Regulierung oder Konkurrenz könnten die Marge schnell schrumpfen lassen. Hinzu kommt: Große Teile der Bewertung ruhen auf zukünftigen Projekten wie dem Mars-Programm – Szenarien, die frühestens in zehn Jahren Geld bringen könnten.
Wer profitiert vom IPO – und wer zahlt?
Langfristige Investoren sollten aufpassen: Der hohe Einstiegspreis bei diesem Börsengang bedeutet, dass die Upside-Chancen bereits begrenzt sein dürften. Historisch betrachtet liefern IPOs zu Höchstbewertungen in den ersten Jahren Durchschnittsrenditen von knapp null bis zwei Prozent. Das ist weniger als der S&P 500 über denselben Zeitraum.
Die Gewinner sind häufig die frühen Investoren – jene Venture-Capital-Fonds, die vor Jahren bei Runden zu niedrigen Bewertungen einstiegen. Sie können nun ihre Anteile zu astronomischen Gewinnen abstoßen. Wer erst beim Börsengang einsteigt, trägt das höchste Risiko einer Bewertungskorrektur. Studien zeigen: Viele IPOs fallen in den Monaten nach dem Debüt um 15 bis 25 Prozent, bevor sie wieder steigen – oder gar nicht mehr.

Die richtige Strategie: Abwarten statt Eile
Für konservative Anleger gilt die klassische Regel: Niemals am ersten Tag eines Börsengangs einsteigen. Besser ist es, einige Wochen zu warten und die Kursentwicklung zu beobachten. Viele große IPOs konnten von Investoren, die ein bis zwei Monate warteten, zu besseren Preisen gekauft werden.
Wer an SpaceX glaubt – wegen Starlink oder der langfristigen Perspektiven – sollte nach einer 15- bis 25-prozentigen Kursbewegung nach unten zuschlagen. Das ist realistisch und gibt einen Sicherheitspuffer. Zockspekulanten können natürlich am ersten Tag dabei sein, sollten sich aber bewusst sein, dass sie einen Lottoschein kaufen, kein Investment.
Fazit: SpaceX ist ein großartiges Unternehmen mit Zukunftspotenzial, aber kein Schnäppchen zum Börsengang-Preis. Geduld zahlt sich aus.

