Überraschend starke Steuereinnahmen setzen ein klares Signal an die Ratingagenturen
Südafrika steuert nach Einschätzung von Goldman Sachs auf weitere Anhebungen seiner Kreditwürdigkeit binnen des kommenden Jahres zu, getragen von einer deutlich besser als erwarteten Entwicklung der Staatseinnahmen. Auslöser dieser Einschätzung sind aktuelle Daten des südafrikanischen Finanzministeriums für Juni, wonach die Körperschaftssteuereinnahmen auf semi-annualisierter Basis um rund 5,5 Prozent auf 385 Milliarden Rand kletterten, umgerechnet etwa 23,3 Milliarden Dollar.
Getragen wurde dieser Anstieg vor allem von den Exportgewinnen der Bergbaubranche, einem der traditionell wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes. Bemerkenswert an der Zahl ist der Vergleich zu den bisherigen Erwartungen, sie liegt deutlich über den 345 Milliarden Rand, die im Fiskaljahr 2025/26 erzielt wurden, und übertrifft auch die im Februar-Haushalt für 2026/27 veranschlagten 364 Milliarden Rand.

Goldman Sachs sieht darin ein klares Signal für Moody's und S&P
Andrew Matheny, Ökonom bei Goldman Sachs, ordnete die Bedeutung dieser Fiskaldaten für die Bonitätseinschätzung des Landes in einer Analystennotiz unmissverständlich ein. Die anhaltende Stärke dieser Fiskaldaten untermauere die Erwartung, dass sowohl Moody's als auch S&P ihre Ratings binnen des kommenden Jahres anheben würden, so Matheny.
Aktuell bewertet Moody's die Kreditwürdigkeit Südafrikas mit Ba2, eine Einstufung, die die Ratingagentur im Mai zwar beibehielt, deren Ausblick sie aber gleichzeitig von stabil auf positiv anhob. Als Begründung nannte Moody's damals eine verbesserte fiskalische Position, das Bekenntnis der Regierung zur Stabilisierung der Staatsfinanzen sowie Fortschritte bei der Umsetzung wirtschaftlicher Reformen. S&P Global Ratings war bereits im November mit einer Heraufstufung vorangegangen, aus denselben Gründen, es war die erste Ratinganhebung für das Land seit zwei Jahrzehnten.
Eine weitere Anhebung würde Südafrika endgültig aus dem Ramschbereich heben
Sollte die von Goldman Sachs erwartete nächste Heraufstufung tatsächlich eintreten, würde das Länderrating von derzeit BB auf BB+ steigen. Nach Einschätzung von Matheny würde eine solche Anhebung insbesondere südafrikanische festverzinsliche Wertpapiere stützen, deren aktuelle Bewertung am Markt seiner Ansicht nach die Erwartung einer bevorstehenden Ratinganhebung bislang noch nicht ausreichend widerspiegele, eine potenzielle Chance für Anleiheinvestoren, die auf diese Neubewertung setzen.
Südafrika, gemessen an der Wirtschaftsleistung die größte Volkswirtschaft des afrikanischen Kontinents, hat in den vergangenen Jahren spürbare Fortschritte bei der Stabilisierung seiner öffentlichen Finanzen erzielt. Die sich verbessernden fiskalischen Kennzahlen bestärken zunehmend das Vertrauen der Märkte in die Konsolidierungsbemühungen der Regierung, ein Vertrauen, das sich nun offenbar auch in konkreten Zahlen niederschlägt.

Der Primärüberschuss übertraf bereits die eigenen Ziele des Finanzministeriums
Ein weiterer Beleg für die verbesserte fiskalische Disziplin des Landes liefert der Blick auf den Staatshaushalt des vergangenen Fiskaljahres. Im Zeitraum bis März verzeichnete Südafrika einen Primärüberschuss von 1,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und übertraf damit die im Februar vom Finanzministerium prognostizierten 0,9 Prozent deutlich.
Ein solcher Primärüberschuss, also ein positiver Saldo des Staatshaushalts vor Berücksichtigung der Zinszahlungen auf bestehende Schulden, gilt unter Ökonomen als wichtiger Gradmesser dafür, ob ein Land seine Schuldenlast tatsächlich nachhaltig stabilisieren oder sogar reduzieren kann. Dass Südafrika sein eigenes Ziel in diesem Punkt übertraf, dürfte für die Ratingagenturen ein weiteres gewichtiges Argument liefern, dem Land in den kommenden Monaten tatsächlich die von Goldman Sachs erwartete zusätzliche Bonitätsverbesserung zuzugestehen.