Im spannungsgeladenen Machtkampf um das französische Budget hat die Regierung von Frankreich im letzten Augenblick einen wichtigen Kompromiss erzielt. Premierminister Michel Barnier hat entschieden, auf die geplanten Kürzungen bei den Arzneimittelrückerstattungen zu verzichten. Damit erfüllt er eine der zentralen Forderungen von Marine Le Pen und ihrer Partei, der National Rally, und versucht so, ein Misstrauensvotum abzuwenden.
Ohne parlamentarische Mehrheit drohte Barnier, Artikel 49.3 der Verfassung zu nutzen, um das Sozialversicherungsgesetz ohne Abstimmung durchzusetzen. Diese Vorgehensweise birgt jedoch das Risiko eines Misstrauensantrags. Die National Rally, die als größte Partei im Unterhaus auftritt, signalisierte zuvor, die Regierung fallen zu lassen, sofern keine „Wunder“-Kompromisse erzielt würden.
Die Unsicherheit und das politische Taktieren führten zwischenzeitlich zu einer Belastung der französischen Staatsanleihen, die eine deutliche Verteuerung der Kreditzinsen mit sich brachten. Diese stiegen zeitweilig auf ein Niveau mit Griechenland, was Barnier dazu veranlasste, vor einer finanziellen "Sturmwarnung" zu warnen, falls er seine Amtsposition verlöre.
Nach dem jüngsten Entgegenkommen in der Arzneimitteldebatte erholten sich französische Finanzwerte jedoch merklich. Der Renditeabstand zwischen 10-jährigen französischen und deutschen Staatsanleihen betrug am Ende nur noch einen Basispunkt mehr als am Vortag, nachdem dieser zuvor auf bis zu 87 Basispunkte angestiegen war. Auch der französische Aktienmarkt konnte sich erholen und kehrte den bis zu 1,2-prozentigen Rückgang um.
Laure Lavalette, Abgeordnete der National Rally, erklärte im Fernsehen, dass die Partei um 14 Uhr zu einer entscheidenden Sitzung zusammentreten werde, um das weitere Vorgehen zu beraten.