25. Februar, 2024

Wirtschaft

Flut von Flugklagen: Gerichte kämpfen mit Rekordzahlen

Flut von Flugklagen: Gerichte kämpfen mit Rekordzahlen

Die Anzahl der Klagen gegen Luftfahrtgesellschaften an den Standorten der Top-20-Flughäfen in Deutschland hat eine historische Höhe erreicht. Mehr als 125.000 Fälle wurden im vorigen Jahr registriert, was einem enormen Zuwachs von ungefähr 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Passagiere fordern in der Regel Kompensationen für Flugausfälle oder -verspätungen.

Das Amtsgericht Köln verzeichnet mit etwa 37.300 Verfahren die meisten Fälle, Lufthansa verfügt dort über ihren juristischen Firmensitz. Gefolgt von Frankfurt mit über 15.000 und das für den Flughafen BER verantwortliche Amtsgericht Königs Wusterhausen mit annähernd 14.000 Klagen. Bei letzterem machen die Fälle der BER-Reisenden nun einen Anteil von 93 Prozent der Zivilklagen aus, während es beim Amtsgericht Erding, zuständig für den Münchener Airport, 94 Prozent sind.

Die Masse an Streitfällen spiegeln sich auch in den Zahlen der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) wider. Mit fast 39.800 Beschwerden wurde der Rekord von 2020 nur knapp verfehlt, die meisten davon betreffen Luftverkehrsprobleme. 85 Prozent der Fälle enden in einem Kompromiss.

Um dem Ansturm Herr zu werden, rüstet die Justiz technologisch auf. Ein in Frankfurt getestetes KI-Assistenzsystem, welches Schriftsätze verarbeitet und Urteilsvorlagen generiert, stößt auf bundesweites Interesse. Trotzdem gibt es noch keine flächendeckende Lösung zur Unterstützung im Normalbetrieb der Gerichte. Die Justiz mahnt zu höheren Investitionen in die Digitalisierung, insbesondere hinsichtlich des als unzureichend empfundenen Budgets der Bundesregierung.

Wenngleich der Luftverkehr sich allmählich von der Pandemie erholt, liegt Deutschland im europäischen Vergleich noch zurück. Die Passagierzahlen an deutschen Hauptverkehrsflughäfen stiegen 2023 an, erreichten jedoch nicht die Vor-Corona-Werte. Vor allem inländische Flüge bleiben deutlich unter dem Niveau von 2019, und eine baldige Erholung ist nicht in Sicht. Eingeschränkt bleibt das Angebot vor allem in Dresden, Stuttgart und Berlin.