17. Juli, 2024

Wirtschaft

Dramatischer Wendepunkt im Wirecard-Prozess: Schweigender Angeklagter E. bricht endlich sein Schweigen

Dramatischer Wendepunkt im Wirecard-Prozess: Schweigender Angeklagter E. bricht endlich sein Schweigen

Im andauernden Wirecard-Prozess ereignet sich nach über eineinhalb Jahren ein bedeutender Fortschritt: Der dritte Angeklagte, bislang schweigsame E., hat angekündigt, am 17. Juli erstmals zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Diese Information gab Vorsitzender Richter Markus Födisch zu Beginn des 134. Prozesstages bekannt.

E., ehemaliger Chefbuchhalter des im Jahr 2020 in sich zusammengebrochenen Unternehmens, hatte bis dato während des gesamten Einnahmeverfahrens lediglich seine Personalien bestätigt, jedoch keine weiteren Aussagen gemacht. Die IV. Strafkammer des Münchner Landgerichts unter der Führung von Födisch hat E. im Gegenzug für ein umfassendes Geständnis eine Freiheitsstrafe zwischen sechs und acht Jahren in Aussicht gestellt.

Noch ist unklar, ob E. die Anklagepunkte zugeben oder leugnen wird. "Unser Mandant hat sich entschieden, zur Aufklärung des Sachverhalts beizutragen", erklärte E.s Verteidigerin Sabine Stetter. Laut Stetter werde E. "seine Sicht der Dinge" darlegen und sei bereit, Fragen des Gerichts sowie der übrigen Verfahrensbeteiligten zu beantworten.

Der Hauptvorwurf gegen E., den ehemaligen Wirecard-Vorstandschef Markus Braun sowie den bis 2020 in Dubai für Wirecard tätigen Manager Oliver Bellenhaus, lautet gewerbsmäßiger Bandenbetrug. Die drei sollen zusammen mit weiteren Komplizen Milliardenumsätze erfunden haben, um ihr eigentlich defizitäres Unternehmen zu stützen.

Die Münchner Staatsanwaltschaft beziffert den durch den Betrug entstandenen Schaden in ihrer Anklage auf gut drei Milliarden Euro. Bisher stand Aussage gegen Aussage: Hauptangeklagter Markus Braun, der seit vier Jahren in Untersuchungshaft sitzt, weist alle Vorwürfe zurück, während Bellenhaus den Großteil der Anschuldigungen eingestanden hat.