18. Juli, 2024

Wirtschaft

Belegschaftsproteste bei Mercedes-Benz gegen geplanten Verkauf von Autohäusern

Belegschaftsproteste bei Mercedes-Benz gegen geplanten Verkauf von Autohäusern

Rund 25.000 Beschäftigte von Mercedes-Benz haben laut Gewerkschaftsangaben gegen den geplanten Verkauf der konzerneigenen Autohäuser protestiert. Vor dem Werk in Sindelfingen versammelten sich schätzungsweise 10.000 Menschen, teilten der Gesamtbetriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall mit. Weitere Demonstrationen fanden am Stammsitz in Stuttgart-Untertürkheim sowie in Rastatt, Düsseldorf, Bremen und Berlin statt. Die Aktion stand unter dem Motto 'Wir halten zusammen - am 2. Juli und jeden Tag'. Die Kundgebungen umfassten nicht nur Mitarbeiter der Autohäuser, sondern auch Beschäftigte der Mercedes-Werke. Mit Trommeln, Trillerpfeifen und Bannern brachten sie ihren Unmut zum Ausdruck. 'Die Beschäftigten sind stinksauer', sagte Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali. 'Wer einen von uns angreift, der greift uns alle an.' Der Betrieb stand still, viele Niederlassungen blieben geschlossen. Bereits im Frühjahr hatte es an mehreren Standorten Betriebsversammlungen gegeben. Rund 8.000 Mitarbeiter sind in den konzerneigenen Niederlassungen von Mercedes-Benz in Deutschland beschäftigt, verteilt auf etwa 80 Betriebe. Der Autobauer kündigte im März an, diese Autohäuser verkaufen zu wollen. Dabei soll jede Niederlassung individuell geprüft werden. Bisher wurde noch kein Autohaus verkauft. Mercedes will Käufer nach Handelsexpertise, unternehmerischer Kompetenz, wirtschaftlicher Stärke, Investitionsbereitschaft sowie Aufgeschlossenheit gegenüber Arbeitnehmervertretungen auswählen. Reine Finanzinvestoren sind ausgeschlossen, und die Sicherung der Stellen in Deutschland hat Priorität. Der Gesamtbetriebsrat und die Gewerkschaft befürchten jedoch, dass sich die Arbeitsbedingungen nach dem Verkauf deutlich verschlechtern könnten. 'Wir haben kein Mitbestimmungsrecht bei der Bewerberauswahl. Deshalb wollen wir vorher Bedingungen klären', erklärte Barbara Resch, Bezirksleiterin der IG Metall im Südwesten. Verhandlungen mit dem Konzern über tarifvertragliche Standards wie Gehalt und Altersvorsorge laufen bereits seit Monaten. Betriebsratschef Lümali betonte, dass erworbene Rechte und Absicherungen entschlossen verteidigt werden. Zudem fordern die Mitarbeiter einen finanziellen Ausgleich, dessen konkrete Summe jedoch noch offen ist. In Richtung Vorstand sagte Lümali: 'Wer auf uns nicht hört und uns am Verhandlungstisch über den Tisch ziehen will, sieht heute, was passiert.' Dies sei erst der Anfang: 'Wir können noch viel mehr.'