Die Gewinnaussichten der Deutschen Lufthansa haben im Börsenhandel für deutlichen Gegenwind gesorgt. Die Aktien des Luftfahrtkonzerns gingen mit einem Minus von 4,59 Prozent aus dem Handelstag, wobei der Schlusskurs auf 6,56 Euro fiel. Damit bewegen sich die Papiere auf dem niedrigsten Level seit dem November des Vorjahres und stehen unmittelbar vor einer technischen Unterstützungszone bei rund 6,50 Euro. Ein Durchbrechen dieser Marke könnte zu den schwächsten Kursen seit Oktober 2022 führen und den seit Dezember bestehenden Abwärtstrend verschärfen.
Die von Lufthansa prognostizierten Geschäftszahlen für das operative Ergebnis (Ebit) für das Jahr 2024 verfehlten nicht nur die Marktannahmen, sondern auch die bisherigen Schätzungen, was von Analyst Jarrod Castle der UBS kritisch beurteilt wurde. Die Bekanntgabe wirke sich negativ auf die Stimmung der Investoren aus. Jedoch liegt das Buchungsniveau für die bevorstehenden Sommermonate im Rahmen der Erwartungen, was den Analysten veranlasste, an seiner Kaufempfehlung festzuhalten.
Das operative Geschäft der Lufthansa wird aktuell durch zahlreiche Streiks beeinträchtigt. So korrigierte Unternehmenschef Carsten Spohr die Gewinnerwartungen nach unten und rechnet nunmehr mit einem operativen Gewinn von ca. 2,2 Milliarden Euro für das laufende Jahr, was einer halben Milliarde weniger entspricht als zuvor angenommen.
Alexander Irving von Bernstein Research sieht trotz der negativen Nachrichtenlage kein Potential für eine Veränderung seiner bisherigen Bewertung. Er bestätigt seine "Underperform"-Einschätzung mit einem Kursziel von 7 Euro. Der reduzierte Ausblick bedingt durch Streiks könnte indirekt Gewinne bei Konkurrenten wie Air France-KLM und IAG generieren, da diese von einem verstärkten Buchungsaufkommen profitieren könnten. Doch auch für diese Wettbewerber schloss der Handelstag mit einem Kursrückgang zwischen einem und eineinhalb Prozent.