Die politische Landschaft Frankreichs hat eine dramatische Veränderung erlebt, nachdem die rechtsextreme Politikerin Marine Le Pen mit Unterstützung einer linken Koalition das Vertrauen in die Regierung von Premierminister Michel Barnier entzog. Die Folgen dieser Entwicklung könnten die Investoren in eine längere Phase der Unsicherheit stürzen. Der Misstrauensantrag im französischen Parlament markiert das Ende der lediglich drei Monate währenden Amtszeit Barniers, der nun die kürzeste Regierungsperiode in der Geschichte der Fünften Republik hinter sich hat. Auslöser für den Sturz war ein Konflikt um den Haushaltsplan für das kommende Jahr. Präsident Emmanuel Macron, der nach der Niederlage bei der Europawahl eine Neuwahl angesetzt hatte, erlebte eine herbe Enttäuschung, als Le Pens Nationale Sammlungspartei zur stärksten Fraktion im Parlament avancierte. Während Macrons zentrische Koalition ins Wanken geriet, etablierte sich Le Pen als die wohl einflussreichste Machtgestalt in der französischen Politik. Le Pen verteidigte den Schritt gegenüber den Abgeordneten mit den Worten, dass eine Ablehnung eines solchen Haushaltsplans die wahre Katastrophe wäre. Vor dem Hintergrund dieser Krise versank die Eurozone in weitere Unsicherheit; während der Euro stabil blieb, reagierten die französischen Staatsanleihen empfindlich auf den Sturz Barniers. Präsident Macron will sich am Donnerstagabend in einer Ansprache zu der Situation äußern. Barniers geschäftsführende Regierung wird zunächst im Amt bleiben, um einen Regierungsstillstand US-amerikanischer Prägung zu verhindern. Gleichwohl warnte Finanzminister Antoine Armand vor den finanziellen Belastungen für die Bürger durch Übergangsgesetze. Le Pen zeigte sich kompromissbereit für die Zusammenarbeit mit einer neuen Regierung, sofern diese eine Haushaltsplanung im Einklang mit ihrer Partei erarbeitet. Sie betonte, dass Frankreich einen Haushalt benötige, der für alle akzeptabel sei und fügte hinzu, dass der nun verworfene Plan "giftig für die Franzosen" gewesen sei. Mit dem Sturz Barniers reiht sich dieser als erster Premierminister in die Geschichte der Fünften Republik ein, der sein Amt durch ein Misstrauensvotum verlor. Ein solches Schicksal ereilte zuvor nur Georges Pompidou im Jahr 1962, der jedoch dank des mächtigen Präsidenten Charles de Gaulle wieder eingesetzt wurde.
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Politisches Erdbeben in Frankreich: Le Pen stürzt die Regierung