Die Ölpreise haben am Freitag einen leichten Rückgang verzeichnet, da Anleger sich auf die Prognose eines üppigen Angebots konzentrierten und die Erwartungen eines Nachfrageschubs im kommenden Jahr durch chinesische Konjunkturmaßnahmen zunächst beiseite legten. Gleichzeitig beobachten Marktteilnehmer gespannt die mögliche Zinssenkung der US-Notenbank in der nächsten Woche.
Der Preis für Brent-Rohöl fiel um 8 Cent auf 73,33 USD pro Barrel, während der Kurs für US-amerikanisches West Texas Intermediate um 7 Cent auf 69,95 USD pro Barrel nachgab. Die Internationale Energieagentur erwartet, dass Nicht-OPEC+ Länder im nächsten Jahr die Versorgung täglich um etwa 1,5 Millionen Barrel erhöhen werden. Diese Zunahme wird unter anderem durch die USA, Kanada, Guyana, Brasilien und Argentinien befeuert.
In ihrem monatlichen Ölmarktbericht hob die IEA die Wachstumsprognose für die Nachfrage von 990.000 Barrel pro Tag im letzten Monat auf 1,1 Millionen Barrel pro Tag an. Diese Nachfragezunahme sei vor allem in asiatischen Ländern zu erwarten, bedingt durch die jüngsten Stimuli in China. Warren Patterson, Leiter der Rohstoffforschung bei ING, erklärte, dass der aktuelle Ausblick auf ein relativ komfortables Gleichgewicht wenig Anlass für einen signifikanten Preisausbruch biete.
Drei der größten kanadischen Ölproduzenten haben eine höhere Produktion für 2025 prognostiziert. Auf der Basis der Rekordproduktion in den USA erwartet Goldman Sachs, dass die Förderung von Schieferöl in den unteren 48 Staaten um 600.000 Barrel pro Tag im Jahr 2025 wachsen wird, auch wenn dieses Wachstum bei einem Brent-Preis unter 70 USD pro Barrel langsamer verlaufen könnte.
Trotzdem steuern Brent und WTI auf einen Wochenzuwachs von über 3% zu, da Befürchtungen über Angebotsstörungen durch verschärfte Sanktionen gegen Russland und Iran die Preise stützen. Auch die Hoffnung, dass chinesische Stimuli die Nachfrage beim weltweit zweitgrößten Ölverbraucher ankurbeln könnten, spielt eine Rolle.
Chinas Rohölimporte stiegen im November erstmals seit sieben Monaten an, begünstigt durch niedrigere Preise und Lagerbestände. In naher Zukunft dürften die Importe auf hohem Niveau bleiben, da Raffinerien mehr Lieferungen von Saudi-Arabien bei reduzierten Preisen bestellen, während unabhängige Raffinerien eilig ihre Kontingente ausschöpfen.
Anleger blicken außerdem auf die Auswirkungen der strengeren Sanktionen gegen Russland und Iran hinsichtlich ihrer Lieferungen nach China und Indien. Zudem setzen sie darauf, dass die Fed die Kreditkosten nächste Woche senken wird und im nächsten Jahr weitere Reduktionen vornimmt, insbesondere nachdem die wöchentlichen Anträge auf Arbeitslosenversicherung unerwartet angestiegen sind.