Die Rating-Agentur Scope hat ihre monatliche Bewertung von 7.179 Investmentfonds veröffentlicht. Im April verbesserten sich 399 Produkte, während 441 herabgestuft wurden. Nach fünfjähriger Marktpräsenz wurden 48 Portfolios erstmals bewertet, neun aktive Fonds aus diesem Kreis erhielten ein Top-Rating.
Doch diese nüchternen Zahlen verschleiern die Dramatik hinter den Kulissen. Prägend für den Monat war der Angriff der USA und Israels auf den Iran sowie die daraus folgende Blockade der Straße von Hormus. Dadurch gerieten zahlreiche Peergroups kräftig in Bewegung. Was jahrelang als stabile Outperformer galt, brach ein. Was als mittelmäßig abgestempelt wurde, schoss nach oben.
Der Iran-Krieg, der am 28. Februar begann, dominierte die Entwicklungen im März. Im Zuge des steilen Ölpreisanstiegs infolge der Blockade der Straße von Hormus erzielte die Peergroup Rohstoffe die höchsten Zuwächse des Monats: plus 9,0 Prozent. Diese Zahl klingt solide, verbirgt aber eine fundamentale Verschiebung der globalen Kapitalströme.
Anleger flohen aus asiatischen Aktien und Gold in Rohstoffe und Dollar-nahe Assets. US-Dollar-Geldmarktfonds legten um 2,9 Prozent zu, Anleihen mit kurzer Laufzeit ebenfalls. Das ist keine normale Marktvolatilität. Das ist Panik, die sich in Umschichtungen von hunderten Milliarden Dollar manifestiert.
Carmignac Investissement feiert spektakuläres Comeback nach neun Monaten Mittelmäßigkeit
Neun Monate lang trug der Carmignac Investissement ein mittleres C-Rating. Nun klettert der globale Aktienfonds wieder auf ein B-Rating – getragen von einer Jahresrendite, die alles andere als mittelmäßig ist. In den vergangenen zwölf Monaten legte der Fonds um 22,3 Prozent zu, während die Vergleichsgruppe im selben Zeitraum nur auf 7,3 Prozent kam.
22,3 Prozent versus 7,3 Prozent. Das ist keine statistische Abweichung, das ist Dominanz. Über fünf Jahre steht das Produkt nun ebenfalls besser da als die Konkurrenz: 6,5 Prozent pro Jahr gegenüber 5,9 Prozent. Kumuliert macht diese Differenz über fünf Jahre einen Unterschied von mehreren Prozentpunkten bei der Gesamtrendite.
Verantwortlich für die jüngste Erfolgsgeschichte ist Portfoliomanager Kristofer Barrett, der vor rund zwei Jahren das Ruder übernommen hat. Er sucht nach Unternehmen, die durch Innovation, technologische Stärke oder ein differenziertes Produktangebot langfristig Wert schaffen. Derzeit zählen dazu der Mikrochipproduzent TSMC und der Chipentwickler Nvidia – zusammen machen sie ein Sechstel des Fondsvermögens aus.

Ein Sechstel in zwei Positionen. Das ist konzentriertes Risiko, aber wenn man richtig liegt, zahlt es sich aus. Barrett hat auf den AI-Boom gesetzt und gewonnen. Die Frage ist, ob diese Konzentration nachhaltig ist oder ob der Fonds anfällig wird, sollte der Chip-Sektor korrigieren.
Ethna-Aktiv erreicht nach jahrelangem Ringen das Spitzenrating
Zwischen Mitte 2023 und Mitte 2024 schnupperte der Ethna-Aktiv mehrfach an einem A-Rating – doch es reichte nie ganz. Jetzt ist es so weit. Der weltweit anlegende Multi-Asset-Fonds, den Scope unter die konservativen Mischfonds einordnet, überzeugte mit einer klar überdurchschnittlichen Rendite: In den vergangenen fünf Jahren erzielte er 3,4 Prozent pro Jahr – fast dreimal so viel wie der Peergroup-Schnitt von 1,2 Prozent.
Fast dreimal so viel. In der Kategorie konservativer Mischfonds ist das eine Sensation. Diese Fonds sind designed für Stabilität, nicht für spektakuläre Renditen. Dass Ethna-Aktiv beides liefert – Stabilität und Performance – erklärt das A-Rating.
Das Managementteam bestimmt über eine Analyse der Finanzmärkte und makroökonomischer Entwicklungen, in welche Anlageklassen, Regionen und Sektoren investiert wird. Die Auswahl einzelner Anleihen und Aktien erfolgt anschließend über eine fundamentale Einzeltitelanalyse. Investiert wird in Aktien, Anleihen, Währungen und Rohstoffe.
Dieser Multi-Asset-Ansatz hat sich im volatilen Umfeld des Iran-Kriegs bewährt. Während reine Aktienfonds oder Anleihefonds in bestimmten Phasen litten, konnte Ethna-Aktiv flexibel umschichten und Verluste begrenzen.
Guinness Global Equity Income stürzt vom Spitzenreiter ins Mittelfeld
Lange glänzte der Guinness Global Equity Income mit einem Top-Rating. Doch nach zuletzt schwacher Leistung trägt der weltweit aktive Fonds mit Fokus auf Dividendentitel nun nur noch ein C-Rating. Die kurzfristige Performance ist desaströs: Auf Jahressicht verlor er 1,6 Prozent seines Werts, während die Vergleichsgruppe 8,0 Prozent zulegte.
Von A auf C. Das ist kein sanfter Abstieg, das ist ein Absturz. Minus 1,6 Prozent versus plus 8,0 Prozent bedeutet eine Underperformance von 9,6 Prozentpunkten. Für einen aktiv gemanagten Fonds, der höhere Gebühren rechtfertigen muss, ist das verheerend.

Auch über drei Jahre liegt die Rendite deutlich unter dem Peergroup-Schnitt. Über fünf und besonders über zehn Jahre steht der Fonds noch besser da als seine Mitbewerber. Doch die jüngste Renditeschwäche lässt sich laut Scope nicht mehr ignorieren – und macht auch die ohnehin schwachen Risikokennzahlen sichtbarer: Der maximale Verlust und die Schwankungsbreite fallen über alle Betrachtungszeiträume schlechter aus als beim Peergroup-Durchschnitt.
Das Problem liegt auf der Hand: Dividendentitel – klassischerweise Öl, Banken, Versorger – haben im aktuellen Umfeld Schwierigkeiten. Der Iran-Krieg hat zwar Ölpreise steigen lassen, doch die Unsicherheit belastete Dividendenwerte stärker als Wachstumsaktien. Guinness war falsch positioniert.
Fidelity-ETF überzeugt durch solide Risikokennzahlen trotz gemischter Rendite
Auch wenn der Fidelity Global Corp Bond Research Enhanced PAB ETF einem Index folgt, stuft Scope ihn als aktiv ein – weil die Fondsgesellschaft genügend Einfluss auf die Portfoliozusammensetzung nimmt. Mit einer fünfjährigen Historie zählt er zu den ältesten aktiven ETFs, die hierzulande erhältlich sind.
Das Produkt investiert in Unternehmensanleihen verlässlicher Schuldner und berücksichtigt dabei nur Emittenten, die mit den Pariser Klimazielen konform gehen. Das B-Rating beruht vor allem auf guten Risikokennzahlen, die in allen Betrachtungszeiträumen besser ausfallen als die der Vergleichsgruppe.
Die Renditezahlen sind gemischt: Über ein Jahr entwickelte sich der Fonds stärker als die Vergleichsgruppe, über drei und fünf Jahre schwächer. Für konservative Anleger, die Stabilität über maximale Rendite stellen, ist das akzeptabel.
Der Iran-Krieg offenbart brutale Gewinner und Verlierer
Auf der Verliererseite gab es teils zweistellige Einbrüche. Die Peergroup Aktien Gold und Edelmetalle verlor parallel zum Goldpreisrückgang knapp 19,3 Prozent – der größte Monatsverlust unter allen Vergleichsgruppen. Besonders hart traf es Regionen, die stark von Öllieferungen aus dem Nahen Osten abhängen: Indien minus 11,8 Prozent, Asien ex Japan minus 11,4 Prozent und Deutschland minus 9,8 Prozent.
Minus 19,3 Prozent bei Gold. Das widerspricht der klassischen Krisenlogik, nach der Gold als sicherer Hafen steigen sollte. Doch der Iran-Krieg ist anders. Die Dollar-Stärke und steigende Realzinsen durch Inflationsängste haben Gold belastet. Anleger flüchteten nicht in Edelmetalle, sondern in Dollar-Cash und kurzlaufende Staatsanleihen.
Der Einbruch bei asiatischen Aktien ist leichter zu erklären. Indien und andere asiatische Volkswirtschaften importieren massiv Öl aus dem Nahen Osten. Die Blockade der Straße von Hormus treibt nicht nur die Preise, sie bedroht die physische Versorgung. Das schlägt direkt auf Wachstumsprognosen durch.
Deutschland minus 9,8 Prozent überrascht auf den ersten Blick. Doch die deutsche Wirtschaft ist energieintensiv und hochgradig exportabhängig. Steigende Ölpreise belasten Produktion und Wettbewerbsfähigkeit. Zudem ist Deutschland über seine Automobilindustrie stark mit asiatischen Märkten verflochten.
Die Ratingverteilung zeigt eine Normalisierung
Von den derzeit 7.179 in Deutschland bewerteten Fonds tragen 741 ein A-Rating, 1.797 ein B-Rating, 2.165 ein C-Rating, 1.657 ein D-Rating und 819 ein E-Rating. Das entspricht einer annähernd normalverteilten Kurve mit Schwerpunkt im Mittelfeld.
10,3 Prozent A-Ratings klingen wenig, sind aber für Spitzenprodukte angemessen. Die große Masse konzentriert sich bei B und C – also solide bis mittelmäßig. 11,4 Prozent E-Ratings zeigen, dass es auch unter professionellem Management erhebliche Ausreißer nach unten gibt.
Für Anleger bedeutet das: Ratings sind dynamisch. Was heute A-rated ist, kann morgen C sein – siehe Guinness. Und umgekehrt kann ein Fonds wie Carmignac nach neun Monaten Mittelmäßigkeit wieder glänzen. Der Iran-Krieg hat diese Dynamik in komprimierter Form sichtbar gemacht.
