22. August, 2026

Märkte

Lufthansa erhält grünes Licht für ITA-Einstieg: Veränderungen im europäischen Luftverkehrsmarkt erwartet

Lufthansa erhält grünes Licht für ITA-Einstieg: Veränderungen im europäischen Luftverkehrsmarkt erwartet

Die Europäische Kommission hat nach intensiver Prüfung die Genehmigung für den Einstieg der Lufthansa bei der italienischen Staatsfluggesellschaft ITA Airways erteilt. Lufthansa plant, zunächst 41 Prozent der Anteile an ITA für eine Kapitaleinlage von 325 Millionen Euro zu übernehmen. Diese Transaktion könnte in den nächsten Jahren zu einer vollständigen Übernahme führen.

Allerdings muss Lufthansa Bedingungen erfüllen, um die Marktvielfalt zu sichern. Dazu gehört die Abgabe von Start- und Landerechten in Mailand-Linate sowie Unterstützung für neue Wettbewerber auf der Mittel- und Langstrecke. Auch Verhandlungen mit Konkurrenten sind vorgesehen, um diesen Zugang zu den Märkten zu erleichtern.

Lufthansa-CEO Carsten Spohr sieht den Einstieg als Chance, die Fluglinie schnell zu integrieren und das Drehkreuz Rom auszubauen, insbesondere Richtung Afrika und Lateinamerika. Dies könnte ITA zu einer starken internationalen Marke machen, so Spohr in einer Mitteilung.

Die Verhandlungen um den Einstieg dauerten mehr als ein Jahr, ITA entstand 2020 aus der defizitären Alitalia und beschäftigt rund 4500 Mitarbeiter. Zum Vergleich: Lufthansa beschäftigt fast 99.000 Mitarbeiter und hat bereits in der Vergangenheit erfolgreich Staatsairlines wie Swiss, Austrian und Brussels Airways integriert. Die bekannte Marke Alitalia könnte wiederbelebt werden.

Der Zugang zum italienischen Markt, vor allem aufgrund der engen Verbindungen in die USA, ist für Lufthansa sehr vielversprechend. Mit dem Eintritt von ITA in die Lufthansa-Gruppe bricht eine weitere Airline aus der von Air France dominierten "Sky Team"-Allianz heraus—eine Entwicklung, die begrüßt wird.

Experten zweifeln daran, dass ITA allein überlebensfähig wäre. Der harte Wettbewerb durch Billigflieger wie Ryanair und Easyjet sowie die Übermacht der größeren US-Anbieter auf den Atlantikstrecken machen eine starke Partnerschaft erforderlich. Die EU-Kommission hat diese Ansicht bestätigt, trotz anfänglicher Bedenken über Marktmacht-Konzentration und höhere Ticketpreise.

Italiens Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni äußerte zuvor Verdachtsmomente gegen mögliche Blockadeversuche anderer dieser Übernahme. Mit der positiven Entscheidung der EU schreitet die Konzentration in der europäischen Luftfahrt weiter voran. Lufthansa-Konkurrenten haben ähnliche Pläne: IAG strebt die Übernahme der spanischen Air Europa an, und Air France-KLM plant einen Einstieg bei der skandinavischen SAS. Portugal sucht ebenfalls einen Partner für TAP.

ITA hat bereits Sparmaßnahmen bei Flotte und Personal hinter sich und könnte durch gemeinsame Einkaufsstrategien und bessere Planung schnell profitabel werden. Ein Businessplan sieht bis 2027 einen Umsatz von 4,1 Milliarden Euro vor. Weitere 325 Millionen Euro sollen 71 tiefblaue ITA-Flugzeuge stärken. Der italienische Staat bleibt zunächst Anteilseigner, jedoch könnte Lufthansa ab 2025 weitere Anteile erwerben und alleiniger Eigentümer werden.

Lufthansa-Strategiechef Jörg Eberhart wird als neuer ITA-CEO gehandelt, nachdem er bereits die Regionaltochter Air Dolomiti leitete.