Die Lufthansa hat erstmals seit Jahren wieder Kurz- und Mittelstreckenjets beim amerikanischen Hersteller Boeing bestellt. Neben den bereits fest georderten 40 Maschinen des Typs 737-8 Max sicherte sich der deutsche Konzern auch die Option auf weitere 60 Maschinen von Boeing. Diese Nachricht verkündete das Unternehmen am Dienstag und sorgte für Aufsehen in der Luftfahrtbranche.
Bereits 1968 zählte die Lufthansa zu den Großkunden der Boeing 737, dem meistgebauten Jet der Welt. Im Jahr 2016 wurde jedoch vorerst das letzte Flugzeug dieser Reihe ausgemustert und Lufthansa betrieb fortan auf den kürzeren Strecken eine reine Airbus-Flotte. Auf der Langstrecke kamen hingegen weiterhin Flugzeuge beider Hersteller zum Einsatz.
Neben der Bestellung bei Boeing hat die deutsche Fluggesellschaft auch beim europäischen Hersteller Airbus zugeschlagen. Lufthansa bestellte 40 kleinere Jets des Typs A220 mit 148 Sitzplätzen. Diese sollen ab 2026 hauptsächlich bei der neu gegründeten Gesellschaft City Airlines in München und Frankfurt eingesetzt werden. Zusätzlich sicherte sich Lufthansa 20 Optionen auf die A220 und 40 Optionen auf den Standard-Jet A320. Der Listenpreis der fest bestellten Flugzeuge beläuft sich laut Mitteilung auf rund neun Milliarden Dollar. Allerdings sind deutliche Preisnachlässe bei solchen Großbestellungen üblich.
Flotten-Vorstand Detlef Kayser begründete die Kehrtwende bei der geplanten Boeing-Bestellung ab 2027 mit der künftig höheren Flexibilität bei Flugzeugbestellungen. Das Modell 737 Max hatte einen schwierigen Start mit zwei schweren Abstürzen in den Jahren 2018 und 2019. Nach einem zwischenzeitlichen Produktionsstopp konnten jedoch die Sicherheitsmängel behoben werden. Die neu bestellten Flugzeuge sollen bei anderen Konzerngesellschaften außerhalb der Marken Lufthansa und Swiss zum Einsatz kommen.
Diese Entscheidung der Lufthansa zeigt, dass der Konzern auch in Zeiten der Unsicherheit und harten Einschnitte seine Position am Markt behaupten möchte. Mit der Kombination aus Boeing und Airbus deckt Lufthansa eine breite Palette an Flugzeugtypen ab und kann so flexibel auf die unterschiedlichen Anforderungen reagieren. Es bleibt spannend, wie sich die Flotte in den kommenden Jahren entwickeln wird und für welches Unternehmen die Lufthansa sich letztendlich entscheiden wird.