Die Anleger an den Finanzmärkten haben trotz vielfältiger Ereignisrisiken und einer diffusen Gemengelage klare Meinungen entwickelt. Ein Blick auf das Börsengeschehen der letzten Tage zeigt eine bemerkenswerte Ausgeglichenheit. Das Handelsband von 2,4 Prozent seit der letzten Sentiment-Erhebung lässt auf eine Phase geringer Volatilität schließen. Die Reaktionen der Börsianer auf den ersten Wahlgang zur französischen Nationalversammlung am vergangenen Sonntag waren jedoch zunächst optimistisch, erwiesen sich jedoch letztendlich als kurzlebig. Der bevorstehende zweite Wahlgang am kommenden Wochenende und die Veröffentlichung des Protokolls der letzten Sitzung des US-Notenbank-Offenmarktausschusses sind nur einige der Faktoren, die derzeit die Märkte beeinflussen.
Die Woche für den DAX kannten daher nur geringe Bewegungen. Das Börsenbarometer bewegte sich überwiegend seitwärts und verzeichnete lediglich einen kleinen Wochenverlust von einem halben Prozent. Die Einschätzungen der institutionellen Investoren, gemessen am Börse Frankfurt Sentiment-Index, zeigen gegenüber der Vorwoche eine minimale Änderung. Der Index stieg nur um einen Punkt auf +3, was auf den ersten Blick nach Unentschlossenheit klingt, sich jedoch bei näherem Hinsehen als klare Polarisierung herausstellt. Die vormals neutralen Investoren haben sich in fast gleichen Teilen auf Bullen und Bären verteilt, wobei die Optimisten leicht vorne liegen.
Bei den Privatanlegern blieb der Sentiment-Index hingegen unverändert bei +6. Die Polarisierung zwischen Bullen und Bären hat sich hier leicht reduziert, und die Gruppe der neutral Gestimmten ist geringfügig gewachsen. Eine interessante Beobachtung ist dabei die Diskrepanz zwischen den über Social Media befragten Anlegenden, die deutlich optimistischer gestimmt sind, und den übrigen Privatanlegern.
Zwischen institutionellen und privaten Investoren besteht daher aktuell nur eine geringe Stimmungskluft. Beide Gruppen zeigen trotz der bevorstehenden Ereignisse klare Meinungsbilder, wobei die Privatanleger insgesamt etwas positiver gestimmt sind.
Institutionelle Investoren haben ihre Positionen offenbar strategisch innerhalb eines bestimmten Handelsbandes aufgebaut. Käufe wurden überwiegend im unteren Bereich, Verkäufe im oberen Bereich dieser Spanne getätigt. Ein größerer Trend scheint derzeit weder von Bullen noch von Bären angestrebt zu werden. Sollten die Kurse die Grenzbereiche durchbrechen, ist mit taktischen Verkäufen beziehungsweise Käufen zu rechnen. Langfristig könnte das Gleichgewicht durch internationale Kapitalbewegungen jedoch ins Wanken geraten, insbesondere im unteren Bereich des DAX.