22. August, 2026

Märkte

Hoffnung auf Stabilität: Märkte reagieren erleichtert auf französische Parlamentswahlen

Hoffnung auf Stabilität: Märkte reagieren erleichtert auf französische Parlamentswahlen

Eine Welle der Erleichterung durchflutete Europas Finanzmärkte am Montag, nachdem die erste Runde der Parlamentswahlen in Frankreich Ergebnisse gebracht hat, die ein Wiedererstarken europakritischer Kräfte weniger bedrohlich erscheinen lassen. Besonders an den Aktienbörsen in Paris profitierte der Markt von dieser Entwicklung; der Euro konnte ebenfalls zulegen.

Obwohl der rechtsnationale Rassemblement National (RN) unter Marine Le Pen die meisten Stimmen erhielt, verfehlte die Partei möglicherweise eine absolute Mehrheit. Präsident Emmanuel Macron und das linke Lager planen nun, eine vereinigte Front zu bilden, um bei den Stichwahlen am kommenden Sonntag einen Sieg des RN zu verhindern. Die Zusammenarbeit sieht vor, dass in Wahlkreisen, wo man auf dem dritten Platz landete, zugunsten stärker aussichtsreicher Kandidaten zurückgetreten wird, die gegen das RN antreten.

Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank, kommentierte, dass das endgültige Ergebnis der zweiten Wahlrunde und der potentielle Einfluss des RN auf die französische Innenpolitik weiterhin ungewiss bleiben. Die Dekabank betonte, die Märkte würden das Wahlergebnis mit Erleichterung aufnehmen, auch wenn die anstehenden Koalitionsverhandlungen schwierig werden könnten. Bedeutender sei, dass weder Euro-Abschaffung noch EU-Austritt Teil der Programme der großen Parteien seien, es hingegen eine breite Unterstützung für schuldenfinanzierte EU-Fonds gebe.

In dieser positiven Stimmung konnte sich der französische Aktienmarkt nach jüngsten Verlusten erholen. Der Cac 40 stieg am Vormittag um 1,6 Prozent auf 7596,81 Punkte und übertraf damit den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sowie den deutschen DAX. Nachdem der Cac 40 am Freitag wegen politischen Unsicherheiten auf ein Jahrestief gefallen war, gab die Aussicht auf eine stabilere politische Landschaft den Anlegern wieder Vertrauen.

Entspannung zeigte sich auch am Devisenmarkt. Der Euro stieg auf 1,0771 US-Dollar und damit auf den höchsten Stand seit Mitte Juni, nachdem er aufgrund der Unsicherheiten vor der Wahl unter 1,07 Dollar gefallen war. Die Dekabank wies darauf hin, dass kurzfristig eine technisch bedingte Beruhigung bei den Risikoaufschlägen französischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen zu erwarten sei, diese jedoch kaum von Dauer sein werde. Die Renditen französischer Anleihen bleiben höher als die deutscher, was die Märkte verhalten optimistisch stimmt.

Der Spread zwischen der Rendite zehnjähriger französischer und deutscher Staatsanleihen fiel kurzfristig auf den niedrigsten Stand seit zwei Wochen, bewegt sich jedoch immer noch auf dem Niveau von 2012. Zehnjährige deutsche Bundesanleihen rentierten zuletzt mit 2,57 Prozent, während vergleichbare französische Papiere bei 3,33 Prozent lagen.