In Silicon Valley brodelt derzeit eine Debatte, die eine essentielle Frage für Unternehmen aufwirft: Wie hands-on sollten Gründer in ihren Firmen agieren? Diese Diskussion, angestoßen von Brian Chesky, Mitgründer und CEO von Airbnb, und Paul Graham, Mitgründer von Y Combinator, dreht sich vor allem um den Unterschied zwischen dem „Gründer-Modus“ und dem „Manager-Modus“.
Der Diskurs ist keineswegs neu und erinnert an prominente Vorbilder wie Steve Jobs. Doch gerade in Zeiten, in denen Start-ups zwischen Wachstum und der Zufriedenstellung unruhiger Investoren balancieren müssen, gewinnt die Fragestellung an Aktualität.
Paul Graham führte die aktuelle Debatte an, indem er schrieb: „Bislang haben die meisten Menschen, selbst in Silicon Valley, implizit angenommen, dass das Wachstum eines Start-ups den Wechsel zum Manager-Modus erfordert.“ Jedoch zog er Rückschlüsse aus dem Unmut der Gründer, die diesen Weg ausprobiert hatten, und aus dem Erfolg derer, die ihm entkommen konnten.
Graham kritisierte Business Schools dafür, diesen Trend zu verpassen. Er hob hervor, dass Gründer-CEOs wie Brian Chesky oft erfolgreicher sind, wenn sie sich intensiv mit jedem Detail ihres Unternehmens befassen. Chesky selbst sagte auf einem Y Combinator-Event und einem Podcast, dass er sich entschieden habe, in jedes Detail involviert zu sein. „Je weniger ich involviert war, desto mehr wurde ich in Probleme hineingezogen. Und wenn ich in ein Problem hineingezogen wurde, war es zehnmal so viel Arbeit“, sagte Chesky.
Diese Herangehensweise habe Airbnb Ergebnisse beschert, bemerkte Graham, obwohl die Aktie des Unternehmens 31 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch liege. Als Beispiele für den Gründer-Modus nannte Graham bekannte Persönlichkeiten wie Steve Jobs, Jensen Huang von Nvidia, Elon Musk, Mark Zuckerberg von Meta und Sam Altman von OpenAI. Auch außerhalb der Tech-Welt gäbe es Beispiele, wie Howard Schultz von Starbucks.
Es gab jedoch auch kritische Stimmen. Jessica Lessin, Gründerin von The Information, argumentierte, dass Gründer fähige Manager benötigen. Sie hob hervor, dass Steve Jobs auf Tim Cook vertraute, um die umfangreichen Herstellungsprozesse zu überwachen. Henrik Torstensson, ein Start-up-Investor, erwähnte Microsoft unter Satya Nadella als Paradebeispiel für den Manager-Modus.
Nicht wenige belächelten die Debatte mit Humor und Memes, indem sie das Konzept des „Gründer-Modus“ als eine euphemistische Umschreibung für Mikromanagement bezeichneten. Packy McCormick scherzte: „Jeder liebt den Gründer-Modus am Wochenende, bis der durchschnittliche CEO anfängt, ihn am Dienstag anzuwenden.“