18. Juli, 2024

Healthcare

Finanzielle Belastung steigt: Pflegekosten erreichen neue Höhen

Trotz Reformen und Zuschlägen – Pflegebedürftige und ihre Familien sehen sich mit wachsenden Kosten konfrontiert.

Finanzielle Belastung steigt: Pflegekosten erreichen neue Höhen
Kostenexplosion in der Pflege: Der durchschnittliche Eigenanteil für Pflege im Heim ist im letzten Jahr um 211 Euro gestiegen, was die finanzielle Last für viele Familien weiter erhöht.

Spirale der Pflegekosten dreht sich weiter

Der finanzielle Druck auf Pflegebedürftige und ihre Angehörigen nimmt stetig zu. Eine aktuelle Auswertung des Verbands der Ersatzkassen zeigt, dass die selbst zu tragenden Kosten für Pflege im Heim weiter ansteigen.

Seit Mitte 2023 sind die monatlichen Eigenanteile im bundesweiten Durchschnitt um 211 Euro auf nun 2.871 Euro gestiegen, trotz der Einführung erhöhter Entlastungszuschläge.

Strukturelle Herausforderungen verschärfen die Lage

Die Hauptursache für die wachsenden Eigenanteile sind die steigenden Personalkosten, welche durch die Zuschläge nicht vollständig abgedeckt werden können.

Selbst mit erhöhten Entlastungszuschlägen seit Anfang 2024 steigen die Eigenanteile für Pflege kontinuierlich – ein Hinweis auf die Unzulänglichkeit der aktuellen Maßnahmen.

Zudem tragen die Heimbewohner neben den reinen Pflegekosten auch die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und notwendige Investitionen in den Einrichtungen. Diese zusätzlichen Ausgaben sind ein wesentlicher Faktor für die finanzielle Mehrbelastung der Familien.

Zuschläge – Ein Tropfen auf den heißen Stein?

Seit Anfang 2024 gelten neue, höhere Entlastungszuschläge, die im Rahmen einer Reform der Ampel-Koalition beschlossen wurden. Diese Zuschläge reduzieren den Eigenanteil für die reine Pflege im ersten Jahr um 15 Prozent und in den folgenden Jahren um bis zu 75 Prozent.

Dennoch zeigt sich, dass diese Maßnahmen die steigenden Kosten nur teilweise kompensieren können. Die Auswertung belegt, dass die tatsächlichen monatlichen Belastungen für die Pflegebedürftigen weiterhin erheblich sind.

Politische und gesellschaftliche Reaktionen

Ulrike Elsner, Chefin des Ersatzkassenverbands, kritisiert die mangelnde Übernahme der Investitionskosten durch die Bundesländer, die laut Gesetzgebung eigentlich vorgesehen ist.

Die fehlende Übernahme von Investitionskosten durch die Bundesländer belastet Heimbewohner zusätzlich – eine finanzielle Last, die eigentlich vermieden werden könnte.

Diese Nichtbeteiligung der Länder belastet die Pflegebedürftigen zusätzlich um durchschnittlich 490 Euro monatlich. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat eine umfassende Pflegereform angekündigt, die im Herbst dieses Jahres konkretere Formen annehmen soll.

Ziel ist es, die Kapazitäten im Pflegebereich zu erhöhen und die finanziellen Lücken zu schließen.

Regionale Unterschiede verdeutlichen Ungleichheiten

Die finanzielle Belastung durch Pflegekosten variiert stark je nach Bundesland. Während Pflegebedürftige in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg mit den höchsten Eigenanteilen von über 3.100 Euro konfrontiert sind, fallen diese in Sachsen-Anhalt deutlich geringer aus.

Die Unterschiede in der Pflegefinanzierung zwischen den Bundesländern verdeutlichen die bestehenden Ungleichheiten in der deutschen Pflegelandschaft.