Es ist ein Umbau, der lange angekündigt war und nun am Tag des PFOF-Verbots offiziell wird. Trade Republic, der Berliner Neobroker mit Millionen Kunden in ganz Europa, verkündet an diesem Donnerstag die Einführung einer „vollständig neuen Handelstechnologie". Was zunächst nach einem technischen Detail klingt, ist tatsächlich eine fundamentale Neuausrichtung des Geschäftsmodells.

Trade Republic wickelt Kundenaufträge künftig selbst ab
Bereits Mitte Juni hatte Finanz-Szene exklusiv berichtet, dass Trade Republic „an einer Generalüberholung seines Handels-Setups arbeitet". Zwei Wochen später ist aus der Recherche Realität geworden.
Der Kern der Neuerung: Trade Republic wird zum sogenannten Market Maker. Das bedeutet, der Neobroker wickelt die Handelsaufträge seiner Kunden künftig selbst ab, statt sie – wie bisher üblich über Payment for Order Flow – an externe Market Maker weiterzureichen. Im Fachjargon heißt dieser Prozess Internalisierung.
Dieser Schritt fällt nicht zufällig auf den heutigen Tag. Mit dem Inkrafttreten des PFOF-Verbots verlieren Neobroker europaweit die Möglichkeit, sich für die Weiterleitung von Kundenorders bezahlen zu lassen. Ein Geschäftsmodell, das jahrelang die Grundlage für kostengünstigen oder sogar kostenlosen Handel bei vielen Anbietern war, fällt damit weg. Trade Republic reagiert darauf, indem es die Wertschöpfungskette selbst übernimmt.
Ein zweiter Orderweg soll Kunden Zugang zu 30 Börsen verschaffen
Die Internalisierung ist jedoch nur die halbe Geschichte. Denn Trade Republic führt parallel einen zweiten Orderweg ein, der Kunden bei Bedarf direkt an internationale Handelsplätze weiterleitet.
Konkret handelt es sich um insgesamt 30 Börsen weltweit, von der Frankfurter Xetra über die europäische Euronext bis hin zur New York Stock Exchange und der Nasdaq in den USA. Kunden erhalten damit erstmals die Wahl, ob sie über das interne System von Trade Republic handeln oder ihre Order gezielt an einen konkreten, öffentlichen Marktplatz schicken lassen.

Diese Öffnung ist bemerkenswert, weil sie dem bisherigen geschlossenen Charakter des Neobrokers widerspricht. Bislang lief praktisch der gesamte Handel über einen einzigen, von Trade Republic ausgewählten Ausführungspartner. Mit dem neuen Setup entsteht erstmals echte Wahlfreiheit für die Nutzer, wenn auch zu einem Preis.
Der interne Handel bleibt beim gewohnten Preis von einem Euro
Wer sich für den internen Orderweg entscheidet, zahlt weiterhin 1 Euro pro Trade. An dieser Stelle ändert sich für die Mehrheit der Kunden zunächst nichts, da die Internalisierung dem bisherigen Standardmodell entspricht, über das der Großteil der Order laufen dürfte.
Dieser Preis war es auch, der Trade Republic in den vergangenen Jahren zu einem der günstigsten Broker Europas gemacht hat. Die Fortführung dieses Tarifs für den internen Handel signalisiert, dass der Konzern an seinem Kernversprechen des günstigen Zugangs zu Kapitalmärkten festhalten will, zumindest auf den ersten Blick.

Für den externen Börsenhandel wird es künftig doppelt so teuer
Wer hingegen gezielt an einer der 30 externen Börsen handeln möchte, muss künftig tiefer in die Tasche greifen. Für diesen Orderweg berechnet Trade Republic 2 Euro pro Order, also das Doppelte des bisherigen Standardpreises.
Damit vollzieht der Neobroker de facto eine Preisdifferenzierung, die es in dieser Form bislang nicht gab. Wer echten, direkten Zugang zu Handelsplätzen wie Xetra oder der NYSE haben möchte, zahlt einen Aufpreis für diese zusätzliche Transparenz und Auswahl.
Im Branchenvergleich bleibt dieser Preis dennoch attraktiv. Bei den meisten etablierten Online-Brokern liegen die Gebühren für den Handel an internationalen Börsen deutlich über den nun von Trade Republic angesetzten 2 Euro je Order. Der Neobroker positioniert sich also weiterhin als Kostenführer, verschiebt aber die Grenze dessen, was „günstig" bedeutet.
Die Umstellung markiert das Ende einer Ära für europäische Neobroker
Der Zeitpunkt der Ankündigung ist kein Zufall, sondern folgerichtig. Das PFOF-Verbot zwingt praktisch die gesamte Branche der Neobroker dazu, ihre Erlösmodelle neu zu erfinden. Anbieter, die jahrelang von Zahlungen der Market Maker für die Weiterleitung von Kundenorders lebten, müssen nun alternative Einnahmequellen finden.

Trade Republic hat sich für den ambitioniertesten Weg entschieden: die vollständige Übernahme der Marktmacher-Rolle bei gleichzeitiger Öffnung zu externen Handelsplätzen. Das ist strategisch riskanter, aber langfristig unabhängiger von regulatorischen Vorgaben zu Zahlungsflüssen zwischen Brokern und Market Makern.
Ob Kunden diesen Umbau als fairen Kompromiss oder als versteckte Preiserhöhung wahrnehmen, dürfte in den kommenden Wochen zur zentralen Debatte in der deutschen Fintech-Szene werden. Fest steht bereits jetzt: Der kostenlose Handel, wie ihn viele Neobroker-Kunden über Jahre gewohnt waren, gehört endgültig der Vergangenheit an.

