Die europäische Automobilindustrie steht vor einem wegweisenden Jahrzehnt, denn strengere Emissionsvorschriften der Europäischen Union drohen, die ohnehin angespannten Gewinnmargen weiter zu belasten. Die Automobilhersteller reagieren darauf mit Preisanpassungen: Die Preise für Benzinfahrzeuge steigen, während Elektrofahrzeuge mit attraktiven Rabatten versehen werden. Ab dem 1. Januar müssen mindestens 20 Prozent der Verkäufe auf reine Elektrofahrzeuge entfallen, um massive Strafen abzuwenden. Doch bislang stellt die Elektromobilität lediglich 13 Prozent der Neuzulassungen, so aktuelle Daten des Automobilverbandes ACEA. Marc Mortureux, Direktor des französischen Automobillobby PFA, warnt vor einer großen Diskrepanz zwischen den Zielen und der Realität. Die Branche kämpft zudem mit Überkapazitäten aus einem Mix aus stagnierenden Verkäufen und dem Druck chinesischer Konkurrenz, was bereits zu Gewinnwarnungen bei Konzernen wie Volkswagen und Stellantis geführt hat. Vor diesem Hintergrund hat Carlos Tavares, der CEO von Stellantis, diesen Monat überraschend seinen Rücktritt eingereicht — ein Indikator für die Spannungen bei der Bewältigung der Herausforderungen. Während sich die Zeit bis zur Einführung der neuen Regelungen verkürzt, erhöhen Volkswagen, Stellantis und Renault die Preise für ihre Benziner um mehrere Hundert Euro, um die Nachfrage in Richtung der umweltfreundlicheren, aber auch teureren E-Modelle zu lenken. Dies ist Teil einer umfassenden Strategie, die CO2-Ziele trotz politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten sowie schrumpfender E-Fahrzeug-Subventionen zu erreichen. Beatrix Keim vom Center for Automotive Research erklärt, dass diese Preisanpassungen seitens der Hersteller dazu dienen, die Nachfrage strategisch zu steuern, um die CO2-Ziele zu erreichen und drohende Strafen zu vermeiden. Peugeot und Renault haben kürzlich ihre Preisanpassungen als "wirtschaftliche Erhöhung" beziehungsweise als "normale Anpassung" im Lebenszyklus eines Fahrzeugs beschrieben.
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EU-Vorgaben bringen Automobilindustrie in Zugzwang