Die anhaltend hohe Inflation hat den Einzelhandel in Deutschland auch im Jahr 2023 vor große Herausforderungen gestellt. Laut einer ersten amtlichen Schätzung des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden verzeichneten die Händler einen Umsatzrückgang. Bereinigt um die Preissteigerungen (real) hatten sie 3,1 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr. Einschließlich der Preiserhöhungen konnten sie jedoch einen Umsatzanstieg um 2,4 Prozent im Vergleich zu 2022 verzeichnen.
Stefan Hertel, Sprecher des Handelsverbands Deutschland (HDE), kommentierte die Schätzung und betonte, dass das vergangene Jahr für viele Einzelhändler herausfordernd gewesen sei. Dennoch blicke man zuversichtlich auf das Jahr 2024, da viele Experten davon ausgehen, dass der Höhepunkt der Inflationsraten überschritten sei.
Der HDE hatte für 2023 einen Umsatz von 649 Milliarden Euro prognostiziert. Diese Zahl bedeutet nominell zwar einen Anstieg um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr, bereinigt um die Inflation ergibt sich jedoch ein Rückgang von vier Prozent.
Besonders bedeutsam für den Einzelhandel ist traditionell das Weihnachtsgeschäft. Laut HDE waren viele Unternehmen jedoch mit den Umsätzen im November und Dezember unzufrieden. Das Geschäft verlief sogar schlechter als im Vorjahr. Laut einer Umfrage waren nur 16 Prozent der Händler mit den Ergebnissen zufrieden.
Gemäß vorläufigen Zahlen der Statistiker waren die realen Umsätze im November um 2,4 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum. Nominal, inklusive der Preisentwicklung, lagen die Erlöse jedoch um 0,1 Prozent höher als im November 2022.
Die gestiegenen Teuerungsraten haben die Kaufkraft der Verbraucherinnen und Verbraucher geschmälert, wodurch sie sich für einen Euro weniger leisten können. Der finanzielle Spielraum der Menschen ist geschrumpft und sie müssen Einsparungen vornehmen.
Besonders stark war der Umsatzrückgang in den vorläufigen Daten zwischen Januar und November im Bereich Einrichtungsgegenstände, Haushaltsgeräte und Baubedarf. Hier wurde ein Rückgang von 7,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzeichnet. Auch der Internet- und Versandhandel, der während der Corona-Pandemie geboomt hatte, verzeichnete einen Rückgang von 3,7 Prozent.
Bei Lebensmitteln bewegten sich die realen Umsätze im Jahresverlauf auf einem niedrigen Niveau im Vergleich zu den Corona-Jahren und ähnelten etwa dem Stand von 2015. Dagegen lief es für Textilien, Bekleidung, Schuhe und Lederwaren deutlich besser, hier konnte ein reales Umsatzplus von 3,6 Prozent von Januar bis November verzeichnet werden.
Das vergangene Jahr war das zweite Jahr in Folge, in dem der Einzelhandel reale Umsatzverluste verzeichnen musste. Obwohl sich die Inflation im Jahresverlauf abschwächte, erreichte die Teuerungsrate mit durchschnittlich 5,9 Prozent den zweithöchsten Wert in einem Gesamtjahr seit der Wiedervereinigung Deutschlands. Im Jahr 2022 wurde mit 6,9 Prozent ein stärkerer Preisanstieg verzeichnet.