Die Deutsche Bahn (DB) hat der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ein überarbeitetes Tarifangebot vorgelegt, um weitere Streiks im Schienenverkehr zu verhindern. Das Angebot beinhaltet unter anderem ein neues Wahlmodell zur Arbeitszeit für Lokführer und Zugbegleiter. Die GDL will das Angebot nun prüfen und ihr weiteres Vorgehen bekanntgeben.
DB-Personalvorstand Martin Seiler äußerte in Berlin deutliche Kritik an der GDL und ihrem Vorsitzenden Claus Weselsky. Die Gewerkschaft habe von Anfang an kein Interesse an ernsthaften Verhandlungen gezeigt und störe damit die Sozialpartnerschaft. Seiler bemängelte außerdem die aggressive und spaltende Sprache der GDL.
Das Tarifangebot der DB sieht vor, dass sich Lokführer und Zugbegleiter ab dem 1. Januar 2026 für eine Stunde weniger Arbeit bei vollem Lohn entscheiden können. Alternativ erhalten sie eine Lohnerhöhung von 2,7 Prozent, wenn sie sich gegen die Arbeitszeitreduzierung entscheiden. Zusätzlich beinhaltet das Angebot eine Lohnerhöhung von 4,8 Prozent ab August und weitere 5 Prozent ab April 2025. Zudem soll eine Inflationsausgleichsprämie direkt nach einem möglichen Tarifabschluss gezahlt werden. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll 32 Monate betragen. Insgesamt erhalten die Beschäftigten, die bei ihrer aktuellen Arbeitszeit bleiben, mit dem Angebot brutto 13 Prozent mehr Geld als bisher. Die Forderungen der GDL belaufen sich hingegen auf 555 Euro mehr pro Monat und eine Inflationsausgleichsprämie bei einer Laufzeit von 12 Monaten.
Die Gewerkschaft will das Angebot bewerten und erst dann über ihr weiteres Vorgehen entscheiden. In einer Pressemitteilung betonte die GDL zudem, dass die DB in der aktuellen Tarifrunde zunehmend isoliert sei. Mit anderen Unternehmen seien bereits Tarifabschlüsse erzielt worden, die eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich beinhaltet hätten. Diese Abschlüsse bezeichnete DB-Personalvorstand Seiler als PR-Gags.
Der Tarifkonflikt zwischen der DB und der GDL begann Anfang November. Die Gewerkschaft erklärte die Verhandlungen nach der zweiten Runde für gescheitert. Es folgten mehrere Streiks, die zu Zugausfällen im Personenverkehr und langen Rückstaus im Güterverkehr führten.
Sollten alle betroffenen Lokführer und Zugbegleiter das Angebot annehmen, wäre ab dem 1. Januar 2026 eine Erhöhung des Personals um drei Prozent erforderlich, so Seiler. Dies sei angesichts einer Vorlaufzeit von über zwei Jahren vertretbar.