Der renommierte Autozulieferer und Reifenhersteller Continental sieht sich in diesem Jahr weiterhin mit schwierigen Marktbedingungen in Europa konfrontiert. Während der europäische Markt am unteren Ende der eigenen Erwartungen abschneiden dürfte, präsentiert sich der chinesische Markt als wesentlicher Wachstumstreiber, wie in einer Analystenkonferenz erläutert wurde. Diese positiven Perspektiven spiegelten sich auch an der Börse wider: Die Aktie legte nach unerwartet optimistischen Aussagen zur Profitabilität einen markanten Höhenflug hin.
Am Donnerstagmittag führte die Continental-Aktie den Dax mit einem Plus von beinahe zehn Prozent auf 59,06 Euro an. Dies war eine deutliche Erholung von den erst kürzlich erreichten Tiefständen von rund 52 Euro, die durch schwache Ergebnisse im ersten Quartal und Bedenken um die Jahresprognose befeuert wurden. Trotz dieses Aufschwungs bleibt die Aktie im laufenden Jahr mit einem Verlust von etwa 23 Prozent einer der schwächsten Dax-Titel.
Analysten zeigten sich angesichts der positiven Signale des Managements erfreut und erwarten ein wesentlich stärkeres zweites Quartal. JPMorgan-Analyst Jose Asumendi prognostiziert, dass Continental im ersten Halbjahr nahezu wieder schwarze Zahlen erreichen könnte. Jefferies-Experte Michael Aspinall teilt diese Ansicht und weist darauf hin, dass die operative Marge im zweiten Quartal deutlich besser ausfallen dürfte als die negativen 4,3 Prozent im ersten Quartal. Dies sorgt für Erleichterung in einem schwierigen Umfeld mit schwankender Autoproduktion.
In puncto Preisentwicklung habe das Unternehmen im zweiten Quartal Fortschritte erzielt, so die Einschätzung des Konzerns. Preiserhöhungen für gelieferte Teile sowie erste Effekte eines umfangreichen Sparprogramms sollen bereits sichtbar sein. Bis 2025 plant Conti Einsparungen von rund 400 Millionen Euro, die auch den Abbau von 7150 Stellen in Verwaltung sowie Forschung und Entwicklung umfassen.
Das Reifengeschäft zeigte sich in der Erstausrüstung weiterhin schwach, während der Ersatzmarkt im zweiten Quartal erste positive Anzeichen verzeichnete. Insbesondere bei den Preisen und dem Absatzmix bleibt die Entwicklung vorerst negativ, soll sich jedoch in der zweiten Jahreshälfte stabilisieren.
In einem sogenannten "pre-close call" informierte Continental Finanzexperten über die jüngsten Entwicklungen, um in den letzten Wochen vor den Quartalszahlen, der sogenannten "Quiet Period", Transparenz zu schaffen und die Marktkommunikation aufrechtzuerhalten. Solche Veranstaltungen hatten in der Vergangenheit häufig zu Kursausschlägen geführt, was auch diesmal der Fall war.