Europas Aktienmärkte haben sich nach den jüngsten Verwerfungen infolge der Frankreich-Wahlen und der China-Zolldebatte teilweise stabilisiert. Die vorherigen Konjunktursorgen scheinen überwunden zu sein.
Vergangene Woche litten Europas Börsen unter den Unsicherheiten bezüglich der Neuwahlen in Frankreich und eines möglichen Handelskonflikts mit China. Der DAX fiel daraufhin deutlich, konnte sich jedoch zum Wochenbeginn wieder leicht erholen. Obwohl der DAX am Freitag bei knapp über 18.000 Punkten schloss, lag er am Montagmorgen immerhin 80 Punkte höher. Das Allzeithoch von 18.900 Punkten bleibt vorerst außer Reichweite. Im Vergleich dazu verzeichneten die US-Indizes wie der Nasdaq 100 und S&P 500 neue Höchststände.
Die Ängste vor einer künftigen Erstarkung von Marine Le Pens „Rassemblement National“ bei den Neuwahlen in Frankreich beunruhigen den Markt. Experten befürchten, dass dies den Reformkurs des Landes stören und eine problematische Haushaltslage weiter verschärfen könnte. Claudia Windt von der Helaba sieht größere Reform- und Sparanstrengungen dadurch als unwahrscheinlich. Zudem drohen der EU mögliche Strafzölle auf Elektroautos aus China, die insbesondere deutsche Autobauer betreffen könnten.
Der Rückgang des DAX seit Jahresbeginn auf 7,4 Prozent und der Stoxx Europe 600 auf 6,8 Prozent stellt einen Kontrast zu den Erträgen in den USA dar, wo der S&P 500 und der Nasdaq 100 mit 14,5 und 18,8 Prozent zulegten. Robert Halver von der Baader Bank warnt, dass das Ergebnis der Europawahl den Kontinent weniger attraktiv für internationale Investoren machen könnte. Gleichzeitig könnten sich europäische Bluechips als attraktive und günstigere Alternativen erweisen.
Hingegen spielt die Notenbankpolitik aktuell eine weniger zentrale Rolle. Höhere Aktienschwankungen aufgrund der abwartenden Zinspolitik der Fed sind nicht ausgeschlossen, dennoch bleibt die Grundstimmung stabil. Zinssenkungen dürften laut Halver zwar erfolgen, allerdings verzögert.
Konjunkturell gibt es positive Signale: Ulrich Kater von der DekaBank sieht den Tiefpunkt der deutschen Wirtschaft durchschritten. Eine Kombination aus einer stabilen Weltwirtschaft und positiven Unternehmensstimmungen sieht er als Grundlage für eine solide Gewinnentwicklung in diesem Jahr.
Neben diesen Entwicklungen im Markt sorgt ein außerplanmäßiger Wechsel im SDAX für Aufmerksamkeit: Pfeiffer Vacuum muss den Index aufgrund eines nicht fristgerecht veröffentlichten Quartalsberichts verlassen und wird durch Thyssenkrupp Nucera ersetzt.
Wichtige Wirtschaftstermine der Woche runden die Marktanalysen ab, darunter die Industrieproduktion in China und die Einzelhandelsumsätze in den USA sowie der Zinsentscheid der Bank of England.