22. August, 2026

Märkte

Auf und Ab am Aktienmarkt: Unruhige Zeiten voraus

Auf und Ab am Aktienmarkt: Unruhige Zeiten voraus

Der deutsche Aktienmarkt steht vor einer herausfordernden Woche. Die kurzfristig anberaumte Parlamentswahl in Frankreich sowie Ängste vor einem möglichen Handelskonflikt mit China drücken die Stimmung merklich. Die US-Notenbank Fed hat kürzlich die Hoffnungen auf eine zügige geldpolitische Lockerung gedämpft, trotz erfreulicher Inflationszahlen.

Börsenexperte Andreas Lipkow sieht den Dax in „einer handelstechnischen Gefahrenzone“, nachdem jüngste Verluste den Index unter wichtige 21- und 50-Tage-Durchschnittslinien gedrückt haben. Diese Marken sind entscheidend für die kurz- bis mittelfristige Marktentwicklung. Um den Abwärtstrend zu stoppen, müsse der Dax die Marke von 18.350 Punkten zurückerobern, so Lipkow.

Vor einem Monat noch erreichte der Dax ein Rekordhoch von fast 18.900 Punkten. Trotz eines Rückgangs von nahezu 5 Prozent bleibt seit Jahresbeginn ein Zuwachs von etwa 7,5 Prozent. Dies ist geringfügig mehr als beim EuroStoxx 50 und deutlich vor dem US-Leitindex Dow Jones Industrial.

Analystin Claudia Windt von der Helaba prognostiziert eine moderate Erholung der Börsen. Sie setzt auf positive US-Daten zu Einzelhandelsumsatz und Industrieproduktion sowie optimistische Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone und den ZEW-Index, die eine Konjunkturerholung signalisieren könnten.

In letzter Zeit hat die Europawahl die Stimmung getrübt. Besonders die Entscheidung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, nach dem verhaltenen Wahlausgang seiner Partei, Neuwahlen zum heimischen Parlament auszurufen, hat die Märkte verunsichert. Die Wahlrunden Ende Juni könnten Marine Le Pens rechtspopulistischer Partei Rassemblement National (RN) zu einem Sieg verhelfen.

Dieser politische Schritt hat nicht nur den französischen Aktienmarkt belastet, sondern auch die Risikoaufschläge für französische und italienische Staatsanleihen erhöht. Eine RN-Regierung könnte laut Helaba-Expertin Windt die Reformbemühungen in Frankreich untergraben und die europäischen Schuldenkonflikte neu entfachen.

Jefferies-Analyst Mohit Kumar hält eine absolute Mehrheit für die RN jedoch für unwahrscheinlich. Ökonom Raphael Brun-Aguerre von JPMorgan betont, dass Macron selbst bei einer RN-Regierung Einfluss auf die Gesetzgebung behalten und innerhalb eines Jahres erneut Wahlen anberaumen könnte. Er sieht zudem Hinweise, dass die RN-Agenda die öffentlichen Finanzen weniger belasten könnte als befürchtet.

Auch die angedrohten EU-Strafzölle für chinesische Elektroautos und mögliche Vergeltungsmaßnahmen könnten sich als weniger gravierend erweisen als erwartet. Eine Einigung vor dem Inkrafttreten der Strafzölle Anfang Juli ist weiterhin möglich, und die Wirksamkeit der chinesischen Reaktion ist unsicher, so Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater.

Neuerungen über die chinesische Wirtschaftslage sollen die am Montag erwarteten Daten zur Industrieproduktion liefern, wobei das verarbeitende Gewerbe laut Dekabank zuletzt eine wichtige Stütze war. Am Dienstag folgen US-Daten und der ZEW-Index. Donnerstag steht der Zinsentscheid der britischen Notenbank an, gefolgt von wichtigen Einkaufsmanagerindizes aus der Eurozone und den USA sowie dem großen Verfallstermin an den Terminbörsen am Freitag.

Auf der Unternehmensagenda herrscht Ruhe. Lediglich Kapitalmarktveranstaltungen des Diagnostikspezialisten Qiagen und des Konsumgüterherstellers Beiersdorf stehen an.