Die Anlegergemeinde in Deutschland zeigte sich wieder kauffreudiger, nachdem am Vortag eine kurzzeitige Zurückhaltung am Aktienmarkt zu verbuchen war. Ein wesentlicher Treiber dieser positiven Wendung schienen die frisch publizierten Inflationsdaten aus dem Herzen Europas zu sein, die den Marktteilnehmern offenbar einen gewissen Optimismus bescherten. Trotz des allgemeinen Aufwärtstrends bleibt die Luft an der Spitze dünn: Der DAX tänzelte zur Mittagszeit nur leicht um 0,33 Prozent nach oben und markierte bei 18.343,53 Punkten ein zaghaftes Plus.
Auch der MDAX notierte mit einem marginalen Zuwachs von 0,10 Prozent, was 26.804,40 Punkten entspricht. Der EuroStoxx 50, der Index, der die Börsenschwergewichte der Eurozone repräsentiert, legte sogar um ein stolzes halbes Prozent zu und stand damit bei 5.065,52 Zählern.
Erinnerungen an den gestrigen Handelstag sind noch frisch, als der DAX gleich zu Beginn ein historisches Hoch erreichte und 18.567 Punkte verbuchte. Dennoch gab es im Verlauf des Tages – wohl auch beeinflusst von einer schwächeren Tendenz an der Wall Street – bei einigen Anlegern Gewinnmitnahmen, sodass am Ende des Handelstages ein leichter Verlust von rund einem Prozent stand.
Einen Schleier der Ungewissheit wirft weiterhin die Frage auf, wann denn nun die US-Notenbank Fed eine Änderung des Leitzinses beschließen könnte, insbesondere da kürzlich starke Wirtschaftsdaten aus den Staaten kamen. Demnach richtet sich der gespannte Markt auf die Veröffentlichung der ADP-Arbeitsmarktdaten, die Vorboten für den offiziellen Jobbericht am kommenden Freitag sind.
In der europäischen Zinspolitik zeichnet sich hingegen mehr und mehr ein klareres Bild ab. Mit einer deutlichen Inflationsabkühlung in der Eurozone geht die Prognose von Experten wie Andrew Kenningham, Chefökonom Europa bei Capital Economics, in Richtung einer möglichen Leitzinssenkung durch die Europäische Zentralbank bereits im Juni.
Die Aufmerksamkeit gilt jedoch auch den globalen Auswirkungen eines Erdbebens in Taiwan, das ernsthafte Befürchtungen für die Stabilität der Lieferketten aufkommen lässt, insbesondere im Bereich der Halbleiterproduktion. Die Landesbank Baden-Württemberg warnt vor den potenziellen Konsequenzen des seismischen Ereignisses für den führenden Chiphersteller TSMC, der infolge des Erdbebens die Fertigung vorläufig einstellen musste.
Bei den Einzelwerten konnten sich die Infineon Aktien an der Spitze des DAX behaupten – mit einem Plus von 2,6 Prozent – dank einer optimistischen Analysteneinschätzung von Morgan Stanley, die eine Erhöhung des Kursziels vornahmen und eine Hochstufung aussprachen.
Auf der anderen Seite mussten die Daimler Truck Aktien mit 1,6 Prozent Einbußen kämpfen, was auch andere europäische Hersteller aus dem Nutzfahrzeugsektor zu spüren bekamen, da der US-Markt einen Rückgang bei Neubestellungen verzeichnete. Der Reifenhersteller und Autozulieferer Continental nahm sogar die Position des Schlusslichtes im DAX ein, prognostiziert durch Analyst Jose Asumendi von JPMorgan mit einem wohl verhaltenen Jahresbeginn.
Der MDAX sah CTS Eventim ebenfalls unter den stärkeren Verlierern, nachdem das Investmenthaus Redburn seine Kaufempfehlung zurückzog, im Zuge einer vorherigen Erfolgsserie der Aktie. Dagegen konnten GFT Technologies im SDax ordentlich zulegen mit einem Plus von 4,5 Prozent. Hintergrund war die Entwicklung einer neuen IT-Plattform zur Krypto-Geldflussverarbeitung, deren kommerzielle Inbetriebnahme für die zweite Jahreshälfte erwartet wird, wie von Marika Lulay, Vorstandschefin von GFT, in der 'Frankfurter Allgemeine Zeitung' mitgeteilt wurde. Diese Plattformen sollen insbesondere den Umgang mit digitalem Zentralbankgeld und regulierten Stablecoins erleichtern.