24. Juli, 2024

Pharma

Zwischen Wissenschaft und Krisenmanagement: Christian Drosten im Dialog

Zwischen Wissenschaft und Krisenmanagement: Christian Drosten im Dialog

Kaum ein Experte stand während der Corona-Pandemie so im Fokus der Öffentlichkeit wie Christian Drosten. Seine Einschätzungen hatten großen Einfluss auf das politische Entscheiden und den öffentlichen Diskurs. Nun blickt der Virologe gemeinsam mit dem früheren "Spiegel"-Chefredakteur Georg Mascolo im Buch "Alles überstanden?" auf die turbulenten Jahre der Pandemie zurück.

Das Buch thematisiert das politische Krisenmanagement, die Bedeutung der Wissenschaft und die Rolle der Medien während der Pandemie. Dabei werden sowohl die Herkunft des Virus als auch die Frage, wie zukünftige Pandemien verhindert werden können, erörtert. "Ein überfälliges Gespräch zu einer Pandemie, die nicht die letzte gewesen sein wird", lautet der Untertitel des Werkes, der die hohe Relevanz des Buchs unterstreicht.

Besonders kontrovers wird das Thema der Schulschließungen diskutiert. Drosten bemerkt, dass bei den Entscheidungen weniger die verpassten Bildungschancen der Kinder im Mittelpunkt standen, sondern vielmehr die Auswirkungen auf junge Eltern in systemrelevanten Berufen wie der Medizin und Pflege. Mascolo hebt hervor, dass die Emotionalität dieses Themas die sozialen Ungerechtigkeiten während der Pandemie widerspiegelte.

Ein weiteres zentrales Thema ist das sogenannte Präventionsparadox, das laut Drosten die Welle im Herbst 2020 verstärkte. Trotz der vergleichsweise glimpflich verlaufenen ersten Monate in Deutschland, führte dies zu einer gefährlichen Unterschätzung der Situation. Viele hätten den Ernst der damaligen Lage vergessen und würden nun fälschlicherweise die Maßnahmen als übertrieben betrachten.

Auch die unklare Herkunft von Sars-CoV-2 bleibt ein großes Rätsel. Mascolo bezeichnet diese Frage als eines der bedeutendsten naturwissenschaftlichen Mysterien unserer Zeit und kritisiert Chinas Blockadehaltung bei der Aufklärung. Er vergleicht die unterschiedlichen Herangehensweisen verschiedener Länder und bemängelt die mangelnde Aufarbeitung in Deutschland.

Abschließend wird Drosten gefragt, ob er sich erneut so prominent in der Öffentlichkeit positionieren würde. Seine Antwort: Klar und eindeutig ja. Er betont, dass in einer vergleichbaren Situation, in der er einen wesentlichen Beitrag leisten könne, er sich wieder der Verantwortung stellen würde.

"Alles überstanden?" bietet dank des Gesprächscharakters eine spannende und lesenswerte Rückschau auf die Pandemie und liefert neben einer Chronologie und einem ausführlichen Quellenverzeichnis auch Korrekturen vieler entstandener Mythen. Es ist ein wertvoller Beitrag zur Aufarbeitung der vergangenen Jahre.