22. April, 2024

Pharma

Zukunft der Gesundheitsversorgung: Ampel-Koalition plant umfassende Strukturreformen

Zukunft der Gesundheitsversorgung: Ampel-Koalition plant umfassende Strukturreformen

Die Versorgung von Patienten in Deutschland steht vor einer umfangreichen Neugestaltung, wie aus einem Entwurf des Gesundheitsministeriums hervorgeht. Ziel ist, eine gleichmäßigere Verteilung von Gesundheitsleistungen zu erzielen und die Qualität der Versorgung zu erhöhen. Gesundheitsminister Karl Lauterbach betont in diesem Kontext die Notwendigkeit, die Praxisversorgung zu verbessern und niedergelassene Ärztinnen und Ärzte zu stärken, um der steigenden Belastung in Arztpraxen, besonders auf dem Land, gerecht zu werden.

Die geplanten Maßnahmen umfassen unter anderem eine Entlastung für Hausärzte durch den Wegfall von Vergütungs-Obergrenzen und die Einführung von Pauschalen, beispielsweise für chronisch Kranke. Darüber hinaus ist die Schaffung von sogenannten "Gesundheitskiosken" angedacht, die als niedrigschwellige Anlaufstellen, insbesondere in sozial schwächeren Regionen, fungieren sollen. Die Kosten dafür würden sich auf rund 400.000 Euro jährlich pro Kiosk belaufen, getragen von gesetzlichen Krankenkassen, privater Krankenversicherung und Kommunen. Prognosen gehen von 30 Kiosken im Jahr 2025 und einem Anstieg auf etwa 220 bis 2028 aus.

Des Weiteren soll die psychotherapeutische Versorgung für Kinder und Jugendliche ausgebaut werden. Dazu gehört die Bildung einer neuen Arztgruppe zur besseren Planung der Bedarfe. Es wird ferner eine Förderung angestrebt, welche die Anzahl der Studienplätze im Medizinbereich erhöhen soll. Finanziert wird dies über einen Fonds, der aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds gespeist wird.

Um mehr Transparenz für Versicherte zu schaffen, ist die Einführung eines digitalen Informations- und Vergleichsangebots geplant, welches unter anderem Auskunft über Genehmigungsquoten und Bearbeitungszeiten der Krankenkassen gibt.

Die Pläne stoßen auf ein geteiltes Echo. Während Ärzteverbände wie der Hausärztinnen- und Hausärzteverband die Initiative begrüßen, sieht die Deutsche Stiftung Patientenschutz die Gefahr, dass Patienten, insbesondere chronisch Kranke, nicht in notwendigem Maße Ärzte aufsuchen werden. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen kritisiert die vorgesehenen Mehrausgaben, und die Linke fordert einen Ausbau der Gesundheitszentren, die unabhängig von Profitinteressen operieren.