23. Juni, 2024

Märkte

Zinssenkungshoffnungen in den USA durch robuste Wirtschaftsdaten gedämpft

Zinssenkungshoffnungen in den USA durch robuste Wirtschaftsdaten gedämpft

Die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen in den USA wurde durch robuste Wirtschaftsdaten und das jüngste Protokoll der US-Notenbank gedämpft. Die Marktteilnehmer revidierten ihre Erwartungen, nachdem die Euphorie um potenzielle Lockerungen der Geldpolitik vor den US-Wahlen im November von der Stärke der US-Wirtschaft gebremst wurde. Helaba-Analystin Claudia Windt betonte, dass die jüngsten Wirtschaftsdaten eine Zinswende in naher Zukunft unwahrscheinlich machen.

Überraschend positive Einkaufsmanagerindizes verstärkten die Bedenken an den Aktienmärkten, insbesondere da diese insbesondere hinsichtlich der Inflationsentwicklung neue Sorgen schürten. Die Anleger sind nun vorsichtiger, was die Wahrscheinlichkeit von Zinssenkungen betrifft.

Für den deutschen Leitindex DAX bedeuteten diese Entwicklungen einen Rückzug von der 19.000-Punkte-Marke, die er zuvor anvisierte. Die jüngsten Tage brachten den DAX wieder in eine engere Spanne, aus der er sich seit zwei Wochen nicht wesentlich lösen konnte. Finanzmarktexperte Jürgen Molnar von Robomarkets interpretierte die derzeitigen Marktsignale als Vorsicht, mit dem Hinweis, dass ein Fall unter das ehemalige Rekordhoch eine längere Korrekturphase einläuten könnte.

Die Diskussion rund um das Sprichwort 'Sell in May and go away' erwies sich bisher als unzutreffend, denn der Mai zeigte sich bislang von einer starken Seite. Carsten Klude, Chefvolkswirt bei M.M. Warburg, sieht die Einfachheit dieser Börsenregel kritisch und verwies darauf, dass der Mai in der Vergangenheit kein generell negativer Monat für den DAX war.

Die positive Entwicklung der Aktienmärkte begründet Klude mit einer über den Erwartungen liegenden Gewinnentwicklung vieler Unternehmen und mit den beeindruckenden Ergebnissen großer US-Technologiefirmen, beispielsweise Nvidia, die hohe Erwartungen sogar übertreffen konnten.

Eine stichhaltige Prognose zur Inflation und den zukünftigen Zinsen scheint allerdings in weite Ferne gerückt, dies bekräftigte auch Molnar mit Blick auf die ungewissen geldpolitischen Aussichten der Fed.

Die kommende Woche bietet neue Wirtschaftsdaten, die das Bild weiter klären könnten, darunter die Revision des US-Bruttoinlandsprodukts und wichtige Preisindizes. Die Dekabank prognostiziert dabei für April einen Anstieg ohne Berücksichtigung von Nahrungsmitteln und Energie.

Für die Eurozone stehen ebenfalls bedeutsame Daten an, insbesondere das Ifo-Geschäftsklima, das laut Helaba-Experte Stefan Mütze auch im Mai einen Aufwärtstrend zeigen könnte. Die Verbraucherpreisdaten Deutschlands und der Eurozone zugleich werden mit Spannung in Bezug auf die Konjunkturerholung beobachtet.

Die Inflation in der Eurozone wird nach Einschätzungen des Bankhauses Metzler im Mai bei 2,4 Prozent liegen, wobei Chefvolkswirt Edgar Walk erst später einen Rückgang in Richtung der Zielmarke der EZB erwartet.