21. Juni, 2024

Pharma

Zahnspangen-Trend in Deutschland: Regional und Geschlechtsspezifisch Beeinflusst

Zahnspangen-Trend in Deutschland: Regional und Geschlechtsspezifisch Beeinflusst

Eine aktuelle Studie der Barmer-Krankenkasse hat deutliche regionale Unterschiede bei der kieferorthopädischen Behandlung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland aufgedeckt. Ausgewertet wurden Abrechnungsdaten von rund 53.000 Kindern des Jahrgangs 2005 über einen Zeitraum von zehn Jahren. Dies zeigt, dass etwa in Bayern rund 60 Prozent der jungen Patienten kieferorthopädisch behandelt wurden, während der Anteil in Bremen lediglich knapp 46 Prozent betrug.

Die divergierenden Fallzahlen und Prozentsätze, etwa 6.400 Kinder in Bayern gegenüber rund 200 in Bremen, korrelieren direkt mit den Bevölkerungszahlen der jeweiligen Bundesländer. Im deutschlandweiten Durchschnitt lag die Behandlungsquote jedoch bei etwa 55 Prozent. Eine deutliche Diskrepanz zum laut der Deutschen Mundgesundheitsstudie 2022 ermittelten tatsächlichen Behandlungsbedarf von rund 40 Prozent bei Acht- bis Neunjährigen.

Michael Walter von der Technischen Universität Dresden relativiert die Differenz mit der Erklärung, dass die Mundgesundheitsstudie tendenziell den kieferorthopädischen Bedarf unterschätzt. Barmer-Vorstandsvorsitzender Christoph Straub wies zudem darauf hin, dass die regionalen Unterschiede nicht allein durch Kieferanomalien oder Zahnfehlstellungen erklärbar sind.

Die Studienautoren mutmaßen, dass hohe Behandlungszahlen in einigen Bundesländern auf eine mögliche Übertherapie hindeuten könnten. Dieser Schluss lässt sich aber nicht eindeutig belegen. Klinische Praxis, ob durch unwesentliche Behandlungen ohne erkennbaren Nutzen für Patienten, generiert Unsicherheiten in der Bewertung der Daten.

Auch Geschlechtsunterschiede sind markant: So erhielten rund 60 Prozent der Mädchen, aber nur etwa 50 Prozent der Jungen eine Behandlung. In einigen Bundesländern übersteigt die Behandlungsquote bei Mädchen sogar 65 Prozent. Experten sehen Ursachen wie Schönheitsideale, Gruppenzwänge und elterliche Fürsorge verantwortlich für diese Unterschiede.

Kieferorthopäde Alexander Spassov und BDK-Bundesvorsitzender Hans-Jürgen Köning äußerten sich ebenfalls zu den Ergebnissen. Spassov betonte, dass es keine geographischen Unterschiede in der Zahnschiefstellung gäbe und vermutete, der soziale Status spiele eine Rolle bei der Inanspruchnahme. Köning regte an, dass Klarstellungen bei unterschiedlichen Auslegungen der Richtlinien nötig seien.

Insgesamt bietet die Studie Gelegenheit, die Behandlungspraxis kritisch zu hinterfragen und eventuell bestehende Unterschiede zu harmonisieren.