19. Mai, 2024

Wirtschaft

Widerstandsfähiger Bausektor: Deutschland hält Niveau beim Wohnungsbau trotz Krisen

Widerstandsfähiger Bausektor: Deutschland hält Niveau beim Wohnungsbau trotz Krisen

Entgegen der Befürchtungen im von Krisen geplagten Baugewerbe hat sich die Fertigstellung neuer Wohnungen in Deutschland stabilisiert. Wie aus Branchenkreisen bekannt wurde, erreichten die Bauunternehmen mit circa 295.000 neuen Wohnungen im vergangenen Jahr nahezu das Vorjahresniveau. Ursprünglich hatte die Bundesregierung das ambitionierte Ziel von 400.000 Neubauten pro Jahr festgelegt. Bundesbauministerin Klara Geywitz würdigte in einer ersten Reaktion die Anstrengungen der Baubranche und hob hervor, dass, sollten sich die vorläufigen Zahlen bestätigen, dies eine beachtliche Leistung darstelle. Gerade in einer Zeit der Krisenbewältigung sei die Vermeidung von Arbeitsplatzverlusten ein positives Signal.

Gleichwohl erkennen Experten an, dass aktuelle Herausforderungen, wie der starke Anstieg der Kreditzinsen und der allgemeinen Baukosten, zu einem deutlichen Preisanstieg bei Bauvorhaben geführt haben. Christina-Johanne Schröder von den Grünen sieht in fast 300.000 neuen Wohnungen dennoch einen Lichtblick im Kampf gegen die Wohnungsnot und stark steigende Mieten. Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA), relativiert allerdings die Fortschritte und weist auf die weiterhin bestehende hohe Wohnungsnot hin. In seiner Kritik richtet er sich gegen staatliche Vorgaben und hohe Grunderwerbsteuern, die Investoren im Wohnungsbau hemmen könnten.

Eine aktuelle Studie beziffert den aktuellen Fehlbestand auf rund 800.000 Wohnungen und projiziert ohne Gegenmaßnahmen einen Anstieg auf bis zu 830.000 fehlende Wohneinheiten bis zum Jahr 2027. Marcus Nachbauer von der Bundesvereinigung Bauwirtschaft mahnt vor einem verhaltenen Ausblick und prognostiziert für das Bauhauptgewerbe einen Umsatzrückgang. Positive Akzente könnte jedoch die Energiewende setzen, hier wird mit Umsatzzuwächsen gerechnet, vornehmlich getragen durch den Ausbau von Speicher- und Solaranlagen.

Im Bereich der Energieeffizienz möchte Bauministerin Geywitz neue Akzente setzen. Wärmepumpen und andere klimafreundliche Heiztechnologien sollen vermehrt Berücksichtigung finden, doch nicht jede Energielösung passe zu jedem Wohnprojekt. Ein umsichtiges Augenmerk solle auf 'Lebenseffizienz' gelegt werden, statt starrer Regeln, wie sie der von Geywitz kritisch betrachtete Effizienzstandard EH40 vorsehe.