18. Juli, 2024

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Volkswagen greift mit Rivian nach dem Elektro-Zepter

Volkswagen greift mit Rivian nach dem Elektro-Zepter

Volkswagen investiert bis zu fünf Milliarden Dollar in eine strategische Allianz mit Rivian, dem aufstrebenden Elektroautohersteller aus den USA, um zukünftige Fahrzeugtechnologien zu entwickeln. Diese Partnerschaft konzentriert sich auf Software, Steuercomputer und Netzwerkarchitektur, wobei Volkswagen hofft, signifikante Kosteneinsparungen zu erzielen im Vergleich zu einer Eigenentwicklung. Für Rivian ist diese Partnerschaft eine willkommene Finanzspritze, da das Unternehmen trotz anhaltender Finanzverluste und eines rückläufigen Interesses an Elektroautos in den USA kämpft. Diese Nachricht ließ die Rivian-Aktie im nachbörslichen Handel um 60 Prozent steigen, während die VW-Aktie leichte Verluste hinnehmen musste. Analysten betonen, dass der gemeinsame Weg langfristig strategisch sinnvoll sein könnte, auch wenn kurzfristig der erhebliche Mittelabfluss die Ergebnisse von VW belasten wird. Rivians innovative Architektur, die auf eine vereinfachte Zonen-Modell-Strategie setzt, könnte Volkswagen den entscheidenden technologischen Vorsprung verschaffen. VW kämpft seit Jahren mit Herausforderungen in der eigenen Softwareentwicklung. Rivian nutzt ein System, bei dem computergesteuerte Komponenten im Fahrzeug in größere, weniger komplexe Zonen aufgeteilt sind. Diese Technik erleichtert die Integration neuer Funktionen und könnte VW helfen, die eigenen Softwareprobleme zu überwinden. Der Analyst von JPMorgan, Jose Asumendi, sieht in diesem Joint Venture die Chance auf eine beschleunigte Markteinführung neuer Modelle. Autoexperte Pedro Pacheco von Gartner hält die Investition gar für ein 'Schnäppchen' für Volkswagen, da Rivian eine der wenigen Firmen sei, die bereits eine Zonen-Architektur in der Serienproduktion nutzen. Mit geplanten Etappen von Investitionen und Wandelanleihen stellt VW sicher, dass Rivian über die nötigen Mittel verfügt. Gleichzeitig will VW seine Marktstellungen in den USA und anderen Regionen durch die Kooperation mit Rivian festigen und ausbauen. Rivian steigerte im letzten Quartal seine Auslieferungen auf 13.600 Fahrzeuge, verbuchte jedoch einen Verlust von 1,45 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 1,2 Milliarden Dollar. Neben großen SUVs und Pickups baut Rivian elektrisch betriebene Lieferwagen für Amazon, einen weiteren Hauptinvestor. Die Stimmung bei den Tesla-Herausforderern ist gedämpft, da viele Käufer in den USA Hybrid-Modelle bevorzugen und auch das Tesla-Wachstum ins Stocken geraten ist. Zusätzlich sorgt die Insolvenz von Fisker, einem weiteren Elektroautobauer, für Unruhe.