22. April, 2024

Grün

Vertiefung des Lebensadern – Rheinausbau trotzt Hindernissen

Vertiefung des Lebensadern – Rheinausbau trotzt Hindernissen

Ein ambitioniertes Projekt nimmt Formen an, wo die Natur sich als Herausforderer präsentiert: die Optimierung der Schiffbarkeit des Mittelrheins, ein Vorhaben, das schon seit Jahrzehnten auf der Agenda steht. Es sei die 'Quadratur des Kreises', sagt Christoph Heinzelmann, Leiter der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW), die mit einem verkleinerten Modell der kritischen Flusspassage 'Jungferngrund' das Gleichgewicht von ökologischer Rücksicht und ökonomischer Notwendigkeit austariert.

Dieses Modell in Karlsruhe soll der Schlüssel zu einer größer dimensionierten Fahrrinne sein, die nicht nur der Schifffahrt, sondern auch der Natur zugutekommen soll. Volker Wissing, Bundesverkehrsminister, erkennt dem Projekt 'herausragende grenzüberschreitende Bedeutung' zu, und es genießt Vorrang im Bundesverkehrswegeplan 2030.

Die Wirtschaft stimmt erwartungsgemäß zu. Das niedrige Wasser im Jahr 2018 verursachte enorme wirtschaftliche Schäden, exemplarisch aufgezeigt durch den Chemieriesen BASF, dessen Verluste im selben Jahr sich auf 250 Millionen Euro beliefen. Reaktionen zeigen sich in der Entwicklung eines Frühwarnsystems für Niedrigwasser und in der umsichtigeren Auswahl der Transportmittel.

In Hessen und Rheinland-Pfalz, die sich im Projektbeirat befinden, setzt man auf Beschleunigung der Genehmigungsverfahren. Wissing selbst hat eine 'Beschleunigungskommission' ins Leben gerufen, um dem langsamen Fortschritt entgegenzuwirken; eine Personaloffensive soll ebenso dem entgegensteuern.

Doch bei Umweltschützern, wie dem Naturschutzbund (NABU), löst das Vorhaben Bedenken aus. Sie argumentieren, dass eine tiefere Fahrrinne zum Nachteil kleinerer, flussangepasster Schiffe gereiche und die ökologische Diversität des Rheins bedrohe.

Das Projektteam der BAW hat jedoch mit umfangreicher Forschung und sorgfältiger Planung begonnen. Ziel ist es, die Fahrrinne so zu vertiefen, dass sie auch während Niedrigwasser ausreichend tief ist, ohne dabei den Hochwasserschutz zu beeinträchtigen. Die Arbeiten werden vielfältig sein: Buhnenbau, Grundschwellen, Felsabtragung – angepasst an die jeweilige Flussstrecke.

Die Herausforderung ist gewaltig, die Umsetzung komplex. Das Modell in Karlsruhe wird noch lange eine zentrale Rolle spielen, während das echte Projekt am Rhein sich seinen Weg bahnt – zeitraubende Verfahren und der Ehrgeiz, ökonomischen und ökologischen Anforderungen gerecht zu werden, im Gepäck.