Ford kapituliert vor der technologischen Realität und sucht Rettung ausgerechnet beim chinesischen Hauptrivalen.
Der US-Traditionskonzern befindet sich in intensiven Gesprächen mit dem chinesischen Marktführer BYD. Gegenstand der Verhandlungen ist die Lieferung von Batterien für Fords Plug-in-Hybrid-Flotte. Dies berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf interne Quellen. Was wirtschaftlich als pragmatischer Schachzug erscheint, gleicht politisch einem Spiel mit dem Feuer.
Die geplante Zusammenarbeit zielt auf die Versorgung internationaler Ford-Werke ab, deren Fahrzeuge jedoch auch auf dem US-Markt abgesetzt werden sollen. Während die Gespräche noch laufen und ein Abschluss offen ist, signalisiert allein der Versuch eine Bankrotterklärung der eigenen Lieferketten-Unabhängigkeit.
Der strategische Schwenk auf Hybride ist wirtschaftlich überlebenswichtig
Hintergrund des brisanten Flirts ist eine harte wirtschaftliche Notwendigkeit. Ford hat sich vom reinen Elektro-Dogma verabschiedet und reagiert auf die massiv abgekühlte Nachfrage nach Stromern. Im Dezember musste der Konzern bereits Abschreibungen in Milliardenhöhe auf sein E-Auto-Geschäft vornehmen.
Ganz anders sieht die Bilanz bei den Hybriden aus. Im vergangenen Quartal verzeichnete Ford hier ein Absatzplus von 18 Prozent auf rund 55.000 Einheiten. Vorstandschef Jim Farley hat auf der Detroit Auto Show unmissverständlich klargestellt, dass das erfolgreiche Hybridkonzept des F-150 auf weitere Baureihen ausgeweitet wird.
Um diese Strategie zu skalieren, benötigt Ford jedoch zuverlässige, kosteneffiziente und technologisch ausgereifte Batterien. Genau hier kommt BYD ins Spiel.

BYD dominiert den globalen Batteriemarkt nach Belieben
Die Chinesen sind längst nicht mehr nur ein einfacher Zulieferer, sondern der Taktgeber der Branche. BYD ist der größte Elektroautohersteller der Welt und gleichzeitig ein Gigant in der Zellfertigung. Nach Daten von Bernstein Research steigerten die Chinesen ihre Batterieauslieferungen im letzten Jahr um satte 47 Prozent auf 286 Gigawattstunden.
Im Fokus der Spekulationen steht die sogenannte Blade-Batterie auf LFP-Basis. Diese Technologie gilt als robuster und günstiger als viele Konkurrenzprodukte. BYD beliefert damit bereits ein 'Who-is-Who' der Automobilindustrie: Xiaomi, XPeng, Nio, Geely und zeitweise sogar Tesla für dessen Gigafactory in Berlin.
Für Ford wäre die Kooperation kein komplettes Neuland. Bereits seit 2020 nutzt das Joint Venture mit Changan in China Batterien von BYD. Nun soll diese Abhängigkeit offenbar globalisiert werden.
Die US-Regierung betrachtet den Flirt mit China als politischen Affront
In Washington schrillen bei diesen Nachrichten sämtliche Alarmglocken. Die US-Politik versucht seit Jahren, die heimische Autoindustrie von chinesischen Lieferketten zu entkoppeln. Ein Deal zwischen Ford und BYD konterkariert diese Bemühungen frontal.
Peter Navarro, Handelsberater unter Donald Trump, übte bereits scharfe öffentliche Kritik an der Abhängigkeit von chinesischen Komponenten. Auch aus dem Kongress kommt Gegenwind: John Moolenaar, Vorsitzender des China-Ausschusses im Repräsentantenhaus, forderte Ford explizit dazu auf, mit Verbündeten zu kooperieren, statt sich an Gegner zu binden.
Ford versucht zu beschwichtigen. Ein Sprecher erklärte lediglich vage, man spreche mit vielen Unternehmen. Doch die Faktenlage ist eindeutig: Ohne chinesische Technologie kann Ford seine kurzfristigen Hybrid-Ziele kaum wettbewerbsfähig erreichen. Die Aktie konsolidiert derzeit, während BYD technologisch enteilt. Ford erkauft sich Zeit mit Know-how des Systemrivalen – ein riskantes Manöver, das in Washington noch für einige explosive Debatten sorgen wird.


