18. Juli, 2024

Reichtum

UK-Pensionssystem und kanadisches Modell: Ist Konsolidierung die Lösung?

UK-Pensionssystem und kanadisches Modell: Ist Konsolidierung die Lösung?

Die vermeintlichen Schwächen des britischen Pensionssystems rücken häufig Kanada und seine gigantischen Pensionsfonds, die in der internationalen Finanzwelt eine beachtliche Rolle spielen, in den Fokus. Insbesondere ihre direkte Verwaltung von Privatvermögen wird hervorgehoben. Der britische Plan, Investitionen in die Wirtschaft zu fördern und den Kapitalabfluss aus heimischen Aktien zu stoppen, basiert demnach maßgeblich auf der Konsolidierung der Pensionsfonds, um ähnliche Strukturen wie in Kanada zu schaffen.

Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass die Übertragung des Modells weitaus komplexer ist, als es auf den ersten Blick erscheint. Einige der wirtschaftlichen Probleme in beiden Ländern ähneln sich stark. So ist das britische BIP pro Arbeitsstunde seit 2015 um nur 0,6 Prozent jährlich gestiegen — etwa die Hälfte der Wachstumsrate der USA. Kanadas Produktivitätswachstumsrate ist ähnlich geringfügig.

Experten in beiden Ländern machen einen Mangel an inländischen Investitionen für dieses Problem verantwortlich. Ende 2023 forderten über 70 britische Wirtschaftsführer in einem offenen Brief an Finanzminister Jeremy Hunt mehr Investitionen der Pensionsfonds in britische Aktien. Nur wenige Monate später stellten 92 kanadische Wirtschaftsführer eine ähnliche Forderung an den kanadischen Finanzminister.

Trotz der erheblichen Mittel, die in beiden Pensionssystemen bereitstehen, muss der Aufruf zu verstärkten Inlandsinvestitionen in Relation zu den verfügbaren Chancen gesehen werden. Hier zeigen sich Unterschiede: Während Großbritannien seine großen Flughäfen, Stromnetze, Wasser- und Abwassernetze privaten Fonds zugänglich gemacht hat, waren die Investitionsmöglichkeiten in kritische Infrastruktur in Kanada begrenzt. Dennoch haben kanadische Pensionsfonds alle sich bietenden Gelegenheiten genutzt — so etwa die Finanzierung und den Bau des U-Bahn-Systems in Montreal.

Die Fähigkeit Großbritanniens, neue investierbare Projekte anzubieten, bleibt jedoch fragwürdig. Ein Bericht der Purposeful Finance Commission wies Anfang des Jahres auf einen erheblichen Mangel an regionaler Planungsexpertise hin und empfahl Investoren, Mittel für zusätzliche Planungsbeamte bereitzustellen, um den Antragsstau zu bewältigen. Sollten konsolidierte britische Pensionsfonds versuchen, verstärkt in Infrastruktur zu investieren, könnten sie vor Herausforderungen stehen.

Im Bereich des Kapitals für Wachstumsunternehmen liegt das Problem weniger im Angebot. Großbritannien leidet nicht unter einem Mangel an qualitativ hochwertigen Jungunternehmen und ist der größte europäische Hub für Risikokapital. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, Kapital für die Skalierung dieser Firmen bereitzustellen. Konsolidierte Fonds könnten höhere Allokationen in risikoreiche Venture-Capital-Investitionen ermöglichen, die langfristige hohe Renditen versprechen.

Für in Großbritannien gelistete Aktien sieht die Lage weniger vielversprechend aus. Selbst eine Konsolidierung nach kanadischem Vorbild würde nicht automatisch zu einer signifikanten Erhöhung der strategischen Allokationen in heimische Aktien führen. Der globale Trend geht hin zu internationalen Investitionen, um das Risiko der Konzentration aufgrund von Heimatmarkt-Bias zu minimieren.

Die Annahme, dass britische Firmen aufgrund des schwindenden Heimatmarkt-Bias höhere Kapitalkosten haben, ist umstritten. Keith Ambachtsheer, Direktor emeritus des International Centre for Pension Management, argumentiert, dass der globale Investitionswandel den Zugang zu Kapital für inländische Unternehmen nicht beeinträchtigt. Das Verhalten der britischen und kanadischen Pensionsfonds, sich von heimischen Aktien zu entfernen, sei auch in Australien, Europa, dem Nahen Osten, Singapur und anderen Ländern zu beobachten.

Zusammengefasst könnte die Konsolidierung der Fonds kostengünstigere Allokationen in sogenannte produktive Finanzierungen darstellen. Angesichts der beträchtlichen Steuergutschriften für Pensionssparer wäre es gerechtfertigt, dass das Finanzministerium ein Mitspracherecht bei den Investitionen der Pensionsfonds hat — sollten sie dies wünschen. Doch selbst überlassen, wird der Rückzug von inländischen Aktien wohl kaum gestoppt, geschweige denn umgekehrt.