09. Mai, 2025

Märkte

Trumps neue Chip-Offensive: KI-Zugriff für Verbündete, Druckmittel für Rivalen

Die US-Regierung kippt das komplexe Biden-Regelwerk für KI-Chip-Exporte – und ersetzt es durch eine Vereinfachung, die geopolitischen Spielraum bringt. Profiteur: Nvidia. Risiko: ein fragmentierter Technologiemarkt mit politischer Steuerung.

Trumps neue Chip-Offensive: KI-Zugriff für Verbündete, Druckmittel für Rivalen
Statt eines gestuften Systems soll künftig bilateral verhandelt werden, was Beobachter als geopolitische Willkür mit technologischem Hebel kritisieren.

Das Regelwerk für KI-Chips

Nur fünf Monate nach der Einführung des sogenannten „Framework for Artificial Intelligence Diffusion“ kündigt die US-Regierung nun an, es grundlegend zu überarbeiten.

Das Ziel: weniger Bürokratie, mehr Einfluss – und vor allem eines: die KI-Vorherrschaft der Vereinigten Staaten zu sichern.

Was klingt wie ein abstrakter Verwaltungsakt, ist in Wahrheit ein machtpolitischer Eingriff in einen der sensibelsten Technologiemärkte der Gegenwart. Denn Chips für künstliche Intelligenz sind längst mehr als bloß Rechenmaschinen – sie sind das Öl der digitalen Souveränität.

Bye-bye Stufenmodell

Bisher teilte das Handelsministerium unter Biden die Welt in drei technologische Lager ein: Verbündete wie Deutschland und Taiwan (Tier 1), neutrale Staaten mit begrenztem Zugang (Tier 2) und geopolitische Rivalen wie China, Russland und Iran (Tier 3), für die die Tür zu Hochleistungschips komplett verschlossen blieb.

Doch dieses Modell war offenbar zu unflexibel – und zu ungenau. Nun soll eine Einzelfallregelung mit jedem Land her, so Insider gegenüber Reuters.

Ein solches Vorgehen würde der Trump-Regierung genau das verschaffen, was sie liebt: maximale Verhandlungsmacht. Wer sich wohlverhält, bekommt Zugang – wer opponiert, bleibt draußen. Chips als Druckmittel.

Nvidia-Aktie legt nach Ankündigung um 3 % zu – USA zementieren damit indirekt die Vormachtstellung eigener Konzerne: Von der Lockerung profitieren vor allem US-Chipgiganten wie Nvidia, während Wettbewerber in Drittstaaten ins Hintertreffen geraten.

Nvidia profitiert, China verliert – vorerst

Die Börse reagierte prompt. Nvidia legte noch am selben Tag 3,1 Prozent zu. Kein Wunder: Der KI-Chip-Markt ist für das US-Unternehmen längst das größte Wachstumsfeld. Und jeder regulatorische Rückenwind aus Washington füttert die Fantasie der Anleger.

Doch auch geopolitisch ist die Nachricht brisant. Denn während westliche Unternehmen wie Nvidia oder AMD kurzfristig profitieren, wächst global der Anreiz, eigene Lieferketten jenseits der USA aufzubauen.

Wer ausgeschlossen wird, wendet sich China zu – oder entwickelt Alternativen. Schon heute arbeiten Huawei und Alibaba an eigenen Hochleistungschips, während Peking Milliarden in die strategische Autarkie der Halbleiterproduktion pumpt.

Technologische Kontrolle als Werkzeug

Trumps neuer Kurs ist kein Rückzug aus der Regulierung, sondern deren radikale Umformung. Statt allgemeiner Regeln kommt nun das Einzelfall-Paket. Statt diplomatischer Berechenbarkeit: bilaterales Kalkül.

Die politische Sprengkraft ist enorm – nicht zuletzt, weil Unternehmen in der zweiten Stufe wie Israel oder Indien bisher über ihren Status klagten und nun möglicherweise bessere Karten haben.

Gleichzeitig verliert das System an Transparenz. Wer darf noch liefern? Wer nicht? Was ist das Kriterium? Nationale Sicherheit, Wirtschaftsvorteil, politisches Wohlverhalten? Die Antworten auf diese Fragen sind künftig keine öffentlich diskutierten Rahmenbedingungen mehr – sondern Teil geheimer Verhandlungen.

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