Ein herber Rückschlag für die deutschen Industrie ist eingetroffen, nachdem Thyssenkrupp ankündigte, bis 2030 die Belegschaft im Stahlsegment um 40 Prozent zu reduzieren. Der größte Stahlproduzent Deutschlands sieht sich mit einer Überproduktion in Europa sowie „einem Anstieg billiger Importe“ aus Asien konfrontiert.
Thyssenkrupp plant, rund 5.000 Stellen durch Anpassungen in Produktion und Verwaltung abzubauen und weitere 6.000 Arbeitsplätze durch Auslagerungen oder Verkäufe von Geschäftseinheiten aufzulösen. Gleichzeitig beabsichtigt das Unternehmen, einen Verarbeitungsstandort zu schließen und die Produktionskapazitäten um bis zu ein Viertel auf 8,7 bis 9 Millionen Tonnen zu senken.
Diese Pläne verstärken die Besorgnis um die deutsche Industrie, welche Europas größte Volkswirtschaft stützt, gerade in den Anfangswochen des Wahlkampfes in Berlin. Unternehmen wie Volkswagen sowie Automobilzulieferer wie ZF Friedrichshafen, Schaeffler und Bosch hatten in den letzten Monaten ebenfalls Tausende von Stellenstreichungen angekündigt, da sie vor einer Abschwächung des Marktes für Neufahrzeuge in Europa warnen.
Der restrukturierende Plan kommt, während der Mutterkonzern Thyssenkrupp versucht, den tschechischen Milliardär Daniel Křetínský und dessen EP Corporate Group zu überzeugen, ihren Anteil an der Stahlsparte von 20 auf 50 Prozent zu erhöhen. Dieser kontroverse Vorgang führte im August zum Rücktritt von sieben Direktoren, darunter der Leiter der Stahlsparte.
„Dieser Weg wird vielen Menschen viel abverlangen, vor allem weil wir in den nächsten Jahren einen großen Personalabbau vornehmen müssen, um wettbewerbsfähiger zu werden“, sagte Dennis Grimm, der neu ernannte Chief Executive der Stahlsparte. Die EP Group unterstütze die Umstrukturierungspläne.
In einer Reihe von Abschreibungen in den letzten zwei Jahren, zuletzt in diesem Monat, hat Thyssenkrupp den Wert seiner Stahleinsparzung um drei Milliarden Euro reduziert. Jürgen Kerner, stellvertretender Vorsitzender von IG Metall und Mitglied des Aufsichtsrats von Thyssenkrupp, bezeichnete die Pläne als „Kriegserklärung an die Belegschaft“. Die Gewerkschaft begrüßte Thyssenkrupps Verpflichtung, zwei Hochöfen durch eine Direktreduktionsanlage zu ersetzen, um zukünftig kohlenstoffärmeren Stahl mit Wasserstoff zu erzeugen.