Syrien steht nach dem Sturz des Langzeitpräsidenten Baschar al-Assad vor einem politischen Umbruch, da sich eine Übergangsregierung formiert, die bis März 2025 das Land führen soll. Der neue Leiter der provisorischen Regierung, Mohammed al-Baschir, stammt aus der ehemaligen Rebellenhochburg Idlib. Al-Baschir, der in den Disziplinen Elektronikingenieurwesen und islamisches Recht gebildet ist, ist Anfang 40.
Die Islamistengruppe Haiat Tahrir al-Scham (HTS), die ihren Ursprung in Idlib hat, leitete eine entscheidende Offensive, die zur Einnahme der syrischen Hauptstadt Damaskus durch die Rebellen führte. Al-Assad, der seit dem Jahr 2000 an der Macht war, suchte derweil Zuflucht in Russland. Während sich allmählich der Alltag in den Straßen von Damaskus normalisiert, bleibt die Warnung von Hilfsorganisationen bestehen, dass die Gefahr durch Gewalt weiterhin akut ist.
Bereits in einem ersten Schritt in Richtung Normalität sind Angestellte der Syrischen Zentralbank wieder an ihren Arbeitsplätzen erschienen. Diese Entwicklung folgt auf Plünderungen der Zentralbank in Damaskus, die Hilfsorganisationen alarmierten, da sie zuverlässig funktionierende Finanztransfers als essenziell für humanitäre Hilfen ansehen. Die Ministerien haben ihre Mitarbeiter ebenfalls zur Rückkehr aufgefordert.
Der UN-Sondergesandte für Syrien, Geir Pedersen, richtete energische Worte an Israel und forderte die Einstellung militärischer Angriffe auf syrischem Boden. Laut Berichten brachten die jüngsten israelischen Operationen über 100 Angriffe innerhalb weniger Stunden mit sich. Israel betonte hingegen, dass keine Truppen in der Nähe von Damaskus stationiert seien und dementierte entsprechende Berichte.
Parallel eskalieren die Spannungen zwischen protürkischen Rebellen und kurdischen Milizen weiter. So gelang den protürkischen Kräften nach intensiven Gefechten die Kontrolle über die nordsyrische Stadt Manbidsch. Die Türkei drohte erneut mit Konsequenzen gegen die in der Region operierenden Kurdenmilizen, die sie mit der verbotenen Arbeiterpartei PKK verknüpft. Präsident Erdogan bekräftigte diesen Standpunkt und erklärte die Präsenz der Kurden an der türkischen Grenze als inakzeptabel.