In Deutschland wird ein Ort als "Großstadt" klassifiziert, wenn die Einwohnerzahl die Marke von 100.000 überschreitet. Betrachtet man die aktuelle Lage in Syrien, so wird ersichtlich, dass im Laufe der vergangenen Jahre die Bevölkerung von mindestens zwei solchen Großstädten spurlos verschwunden ist. Vor kurzem erfolgte die Befreiung von Zehntausenden aus dem berüchtigten Foltergefängnis Saidnaja in Damaskus, was allerdings die Suche nach etwa 200.000 weiteren Vermissten nicht beenden konnte.
Die grausamen Ereignisse, die in Syrien ans Tageslicht kommen, widerlegen alle Behauptungen, die darauf abzielen, das Regime von Präsident Assad als ein "sicheres Herkunftsland" darzustellen. Sicher war dieser Staat höchstens für diejenigen, die dem Regime genehm waren, sofern überhaupt jemand Sicherheit finden konnte. Diese makabre Enthüllung sollte insbesondere jene zur Besonnenheit aufrufen, die sich aktuell mit der Forderung nach Rückkehr von Geflüchteten übertreffen.
Die Hayʾat Tahrir al-Sham (HTS) hat zwar erhebliche Gebiete Syriens von Assads Kontrolle befreit, jedoch bleibt abzuwarten, ob diese Miliz tatsächlich als Verfechterin der Menschenrechte auftreten kann. Diese Frage ist nach wie vor offen und lässt vielerlei Spekulationen zu.