15. Juli, 2024

Grün

Shell stellt Milliardenprojekt in Rotterdam auf den Prüfstand – Markt für Biokraftstoffe unter Druck

Shell stellt Milliardenprojekt in Rotterdam auf den Prüfstand – Markt für Biokraftstoffe unter Druck

Der Energie-Riese Shell verzeichnet einen Rückschlag bei einem seiner bedeutendsten Projekte zur Energiewende. Der geplante Bau einer Anlage in Rotterdam, die Abfälle in Kerosin und Biodiesel umwandeln soll, wurde aufgrund des schwierigen Biokraftstoffmarktes vorerst gestoppt. Shell schätzt, dass die Entscheidung Kosten in Höhe von 600 Millionen bis 1 Milliarde US-Dollar verursachen wird.

Bereits diese Woche pausierte das Unternehmen die Arbeiten an dem Vorhaben, inmitten eines angespannten Markts für Biokraftstoffe. Weitere Belastungen in Höhe von 1,5 bis 2 Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal werden erwartet, darunter eine zusätzliche Abschreibung von 600 Millionen bis 800 Millionen US-Dollar auf eine Chemiefabrik in Singapur, die an Glencore und Indonesiens PT Chandra Asri Pacific verkauft wird.

Die Anlage in Rotterdam, die 2021 grünes Licht erhielt, hinkt aufgrund technischer Schwierigkeiten hinter dem Zeitplan her. Ursprünglich war der Produktionsstart für April geplant, doch nun rechnet Shell mit einer Inbetriebnahme „im späteren Verlauf des Jahrzehnts“.

Nach dem Baustopp wird Shell nun die Wirtschaftlichkeit des Projekts neu bewerten, da die Preise für Biokraftstoffe in Europa durch Überangebot, billige Importe aus China und geringere Nachfrage unter Druck geraten. Die Europäische Kommission eröffnete bereits im Dezember eine Anti-Dumping-Untersuchung gegen chinesischen Biodiesel und plant, diesen Monat vorläufige Zölle auf chinesische Importe zu verkünden.

Shell bleibt jedoch optimistisch und erwartet, dass sich der Markt gegen Ende des Jahrzehnts erholen wird. CEO Wael Sawan betonte, dass Shell disziplinierter und wertorientierter vorgehen müsse. Die endgültige Abschreibungsbilanz für das Projekt wird am 1. August im Rahmen der Ergebnisse des zweiten Quartals bekannt gegeben.

Auch BP hat kürzlich die Produktionspläne für Biokraftstoffe in den USA und Deutschland zurückgeschraubt. Biokraftstoffe gelten als nachhaltiger, da das bei ihrer Verbrennung freigesetzte Kohlendioxid bereits von den Rohstoffen, aus denen sie hergestellt wurden, absorbiert wurde.

Die in Rotterdams Pernis-Raffinerie geplante Anlage sollte etwa 820.000 Tonnen Biokraftstoffe jährlich produzieren. Diese Menge sollte sich auf nachhaltigen Flugkraftstoff und Biodiesel verteilen, wobei hauptsächlich Altöl und tierische Fette als Rohstoffe dienen sollten. Shell plante zudem, zertifizierte nachhaltige Pflanzenöle zu ergänzen. Die Anlage sollte genug Biodiesel produzieren, um die Emissionen jährlich um 2,8 Millionen Tonnen Kohlendioxid zu reduzieren – vergleichbar mit der Abnahme von einer Million Fahrzeugen auf den Straßen.