16. Januar, 2026

Automobile

Selbstmord auf Raten: Wie CEO Källenius den Mercedes-Mythos gerade beerdigt

Der Rückzug beim autonomen Fahren in der S-Klasse ist mehr als eine technische Anpassung – es ist eine Bankrotterklärung des eigenen Premium-Anspruchs.

Selbstmord auf Raten: Wie CEO Källenius den Mercedes-Mythos gerade beerdigt
Mercedes stoppt die Weiterentwicklung beim autonomen Fahren in der S-Klasse. Warum dieser Schritt den Markenkern zerstört.

Der Leitsatz „Das Beste oder nichts“ verkommt in Stuttgart endgültig zur historischen Fußnote. Ola Källenius, der Mann an der Spitze von Deutschlands wertvollstem Konzern, hat die Bremse gezogen. Ausgerechnet in der Disziplin, die über die Zukunft der individuellen Mobilität entscheiden wird, tritt Mercedes den geordneten Rückzug an.

Die Nachricht, dass das Flaggschiff S-Klasse beim autonomen Fahren technologisch abrüstet, wirkt auf den ersten Blick wie eine pragmatische Entscheidung. Doch wer genau hinsieht, erkennt darin ein fatales Signal an den Markt und die eigene Kundschaft.

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Mercedes opfert seine technologische Speerspitze für kurzfristige Kosten-Nutzen-Rechnungen. Damit wird nicht nur eine Funktion gestrichen, sondern die DNA der Marke beschädigt.

Der Rückzug beim Vorzeigeprojekt demontiert den technologischen Führungsanspruch.

Die Faktenlage ist ernüchternd: Das „Handelsblatt“ berichtete zuerst über das Downgrade. Statt einer Weiterentwicklung der Level-3-Technologie – dem echten autonomen Fahren, bei dem die Haftung zeitweise auf das Fahrzeug übergeht – setzt Mercedes in der kommenden S-Klasse auf „Level 2++“.

Das Unternehmen versucht diesen Schritt mit blumigen Worten zu verkaufen. Man argumentiert mit der Alltagstauglichkeit. Das bisherige Level-3-System „Drive Pilot“ war faktisch ein Nischenprodukt: über 5000 Euro Aufpreis, nutzbar nur auf Autobahnen, nur bis 95 km/h, nicht bei Nässe, nicht bei Kälte, nicht im Tunnel.

Rein rational betrachtet mag ein hochgerüstetes Level-2-System, das der Fahrer öfter nutzen kann, für den Endkunden „nützlicher“ sein. Doch Luxus definiert sich nicht über pragmatischen Nutzen. Luxus definiert sich über das Machbare.

Mercedes war der einzige Hersteller, der Level 3 bei dieser Geschwindigkeit beherrschte. Das war das Alleinstellungsmerkmal. Das war die Rechtfertigung für die exorbitanten Preise. Diese Position nun freiwillig zu räumen, kommt einer Kapitulation gleich.

Die Austauschbarkeit mit der Massenkonkurrenz bedroht die Substanz der Kernmarke.

Ein Blick in die Historie zeigt die Fallhöhe. 2013 schickte Mercedes eine S-Klasse autonom von Mannheim nach Pforzheim. Es war eine Machtdemonstration, die an die Pionierfahrt von Bertha Benz erinnerte. ABS, Airbag, Knautschzone – alles kam zuerst aus Stuttgart.

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Dieser Mythos der „Avantgarde“ ist das Kapital, von dem der Konzern bis heute zehrt. Kunden kaufen keinen Mercedes, weil er vernünftig ist. Sie kaufen ihn, weil sie Teil einer technologischen Elite sein wollen. Sie wollen das Gefühl, das „Beste“ zu fahren.

Wenn die Stuttgarter nun auf Level 2 oder 2+ zurückfallen, reihen sie sich nahtlos in die Phalanx der Gewöhnlichkeit ein. Tesla bietet das. Ford bietet das. Selbst der chinesische Konkurrent BYD beherrscht diese Klaviatur.

Indem Mercedes das autonome Fahren, das noch im Frühjahr zur Leittechnologie erklärt wurde, relativiert, nimmt es der Marke den Zauber. Ein Mercedes, der technisch nur das liefert, was auch ein Ford kann, ist schlichtweg überteuert.

Das Jahr 2026 entscheidet über das Schicksal der Ära Källenius.

Der Zeitpunkt für dieses Zaudern könnte schlechter kaum gewählt sein. Källenius steht ohnehin unter massivem Druck. Seine „Luxusstrategie“ wirkt zunehmend orientierungslos: Mal wird sie propagiert, dann durch Rabattschlachten konterkariert.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Das Chinageschäft ist eingebrochen, eine Erholung ist nicht in Sicht. In Europa musste man sich dem Erzrivalen BMW geschlagen geben, der in der Gunst der Kunden vorbeigezogen ist.

Das Jahr 2026 wird zum Schicksalsjahr für den CEO. Eine Reihe neuer Modelle rollt zu den Händlern und muss funktionieren. Ohne technologische Überraschung in der Hinterhand droht der Stern weiter zu verblassen.

Wer „das Beste oder nichts“ verspricht und dann nur den Standard liefert, hat sich am Ende für das „Nichts“ entschieden.

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