27. Mai, 2024

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Schottland setzt Wind in Segel mit Hafenprojekt

Schottland setzt Wind in Segel mit Hafenprojekt

In Schottland erhascht das große Potenzial erneuerbarer Energien Wind, während die Ardersier-Hafen-Entwicklung nahe Inverness nun mit einer beachtlichen Finanzspritze von 100 Millionen Pfund durch die schottische und britische Entwicklungsbank Fahrt aufnimmt. Diese finanzielle Zusage kennzeichnet die erstmalige Kooperation zwischen der Scottish National Investment Bank und der UK Infrastructure Bank und greift die Initiative der Quantum Capital Group aus dem Vorjahr auf, die bereits 300 Millionen Pfund investiert hatte.

Unter der Leitung von Haventus soll der ehemalige Ölindustriestandort am Moray Firth zu einem zentralen Umschlagplatz für Wartung und Transport von Offshore-Windturbinen und Ausrüstung ausgebaut werden. Dieser strategische Schritt ist Teil des britischen Ziels, bis 2030 über Offshore-Windkraftwerke 50 Gigawatt Strom zu erzeugen – aktuell liegt die Leistung bei etwa 14 GW.

Derzeit sind rund 300 Bauarbeiter vor Ort, um eine 650 Meter lange Kaiwand und die dazugehörigen Quais zu errichten. Man erwartet, dass der Hafen als größter spezialisierter Standort für den Ausbau der Offshore-Windenergie in Schottland in die Geschichte eingehen wird, die Fertigstellung ist für Ende nächsten Jahres geplant.

Lewis Gillies, der CEO von Haventus, ist bereits in Verhandlungen mit in- und ausländischen Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien. 'Ausländische Investoren erkennen die gleiche Chance, die wir sehen', so Gillies, früher bei BP tätig. 'Die Elektrifizierung unseres Lebens ist das Ziel, und Offshore-Wind spielt dabei eine wichtige Rolle – Schottland und das Vereinigte Königreich senden damit eine klare Botschaft in die Welt, dass sie es mit dem Einsatz dieser Technologie ernst meinen.'

Der Hafen soll nicht nur als Entwicklungszentrum für Offshore-Windenergie dienen, sondern auch als Montageplatz für große Strukturen wie die Betonbasen der schwimmenden Windplattformen, die das Unternehmen BW Ideol dort produzieren möchte. Zudem ist ein Industriegebiet geplant, in dem Dienstleister der Branche ansässig sein können.

Nationale Energie-Hafen-Ambitionen stehen jedoch ebenfalls vor Herausforderungen wie Inflation in der Lieferkette, Mangel an spezialisierten Schiffen und Verzögerungen bei der regulatorischen Zustimmung. Gillies äußert indes Zuversicht: 'Das ist eine junge Branche, und das Vereinigte Königreich geht hier mit großen Schritten voran. Mit jedem erfolgreichen Projekt wird das Vertrauen wachsen – es gibt keine Herausforderung, die nicht bewältigt werden kann.'

Neben der Entwicklung des Hafens gilt die Aufmerksamkeit auch dem herrschenden Wohnungsmangel in den ländlichen Regionen Schottlands – eine direkte Folge dieser ausbauenden Projekte.

Beide staatseigenen Entwicklungsbanken betonen, dass sie, im Gegensatz zu ihren kommerziellen Pendants, bereit sind, höhere Risiken einzugehen, um infrastrukturelle Vorhaben von nationaler Bedeutung zu unterstützen. Sowohl SNIB als auch UKIB setzen sich für Projekte ein, die sowohl auf CO2-Neutralität abzielen als auch auf sozioökonomische Ausgeglichenheit innerhalb des Landes.

John Swinney, Schottlands erster Minister, sieht in den wachsenden Offshore-Windkapazitäten des Landes eine 'epochale Chance'. Er betont, das Engagement beider Banken zeige das enorme Vertrauen in die neue Anlage und deren Rolle für eine gerechtere und umweltfreundlichere Zukunft.