15. Juli, 2024

Wirtschaft

Rückgang bei Studienkrediten: Hohe Zinsen schrecken Studierende ab

Rückgang bei Studienkrediten: Hohe Zinsen schrecken Studierende ab

Studierende in Deutschland greifen zunehmend seltener auf Studienkredite zur Finanzierung ihrer Ausbildung zurück. Wie aus einer aktuellen Auswertung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) hervorgeht, wurden im Jahr 2023 nur 16.564 Neuverträge für Studienkredite oder Bildungsfonds abgeschlossen. Dies entspricht einem Rückgang von über 7.000 Verträgen gegenüber dem Vorjahr und stellt einen Rückgang von über 30 Prozent dar. Betrachtet man die letzten zehn Jahre, ist die Zahl der neuen Kredite sogar um fast 72 Prozent gesunken. "Der Markt für Studienkredite verliert weiter dramatisch an Bedeutung," so Studienautor Ulrich Müller, der von einem regelrechten Einbruch nach einem kurzen Anstieg während der Corona-Pandemie spricht.

Hauptursache für diesen Rückgang sind laut Müller die hohen Zinsen beim KfW-Studienkredit, dem Marktführer in diesem Bereich. Die Zahl der Neuverträge bei der KfW sank im Jahr 2023 auf 8.900 und hat sich damit im Vergleich zu 2022 nahezu halbiert. Müller kritisiert, dass weder die Ausgestaltung der Konditionen noch die Zinssätze für Studierende attraktiv seien. "Mit einem Zinssatz, der zwischenzeitlich bei mehr als 9 Prozent lag, gewinnt man keine neuen Kundinnen und Kunden," so Müller weiter.

Die KfW-Bank verteidigt jedoch ihr Angebot und erklärt, dass der KfW-Studienkredit kein typisches Förderprodukt, sondern ein eigenfinanziertes Angebot sei. Der Zinssatz werde halbjährlich neu festgesetzt und decke lediglich die Kosten inklusive Ausfallrisiken und Bearbeitungskosten ab. Zum 1. April 2024 seien die Zinsen für den KfW-Studienkredit zwar leicht auf 7,51 Prozent gesunken, aber immer noch nicht konkurrenzfähig genug, um das Interesse der Studierenden zu gewinnen.

Der Marktvergleich zeigt, dass aktuell kein Angebot unter 4,87 Prozent Effektivzins für die Rückzahlphase liegt. Derzeit zahlen noch etwa 213.000 Menschen in Deutschland ihre Studienkredite ab, 45.000 Studierende sind aktuelle Empfänger. Diese erhalten im Durchschnitt 535 Euro pro Kopf, was nur 1,5 Prozent aller Studierenden betrifft.

Das CHE ist eine gemeinsame Tochter der Bertelsmann Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK).