Radikaler Schnitt an der Spitze
Simon Trott ist erst seit Montag offiziell CEO des zweitgrößten Bergbaukonzerns der Welt – und verschwendet keine Zeit. Gleich in seiner ersten Woche verkündete er einen drastischen Umbau: Die Führungsriege wird verkleinert, Doppelstrukturen gestrichen.
Künftig wird Rio Tinto nur noch in drei großen Sparten geführt: Eisenerz, Aluminium & Lithium sowie Kupfer. Damit verschwindet die bisherige, kleinteilige Segmentierung – ein Schritt, der Klarheit schaffen und Entscheidungswege verkürzen soll.
Eisenerz-Chef steigt auf
Zum wichtigsten Mann im operativen Geschäft macht Trott einen alten Bekannten: Matthew Holcz, bislang Leiter der australischen Pilbara-Minen, wird globaler CEO für das Eisenerzgeschäft.
Diese Sparte allein liefert mehr als die Hälfte der Umsätze des Konzerns. Holcz wird künftig nicht nur Australien, sondern auch die Projekte in Kanada und Guinea verantworten – darunter das milliardenschwere Simandou-Vorhaben in Westafrika, das als eines der größten unerschlossenen Eisenerzlager der Welt gilt.
Abgänge und Machtverschiebungen
Der Umbau bringt auch Verluste: Sinead Kaufman, Leiterin der Mineraliensparte, verlässt Rio Tinto im Oktober. Der Posten des Chief Executive Australia wird gestrichen, Kellie Parker verliert damit ihre Rolle.
Zugleich prüft CCO Bold Baatar die Zukunft der kleineren Geschäftsbereiche Borate sowie Eisen und Titan. Trotts Botschaft ist klar: Alles, was nicht direkt in die strategischen Kernfelder passt, steht auf dem Prüfstand.
Milliarden für Zukunftsmetalle
Mit dem Umbau signalisiert Rio Tinto, dass es sich nicht allein auf sein Eisenerz-Imperium verlassen will. Schon Anfang des Jahres hatte der Konzern mit der Übernahme von Arcadium Lithium für 6,7 Milliarden Dollar den Sprung unter die führenden Lithiumproduzenten gewagt.
Lithium ist zentral für Batterien und Elektromobilität – und damit ein Schlüsselrohstoff der Energiewende. Auch Kupfer rückt stärker in den Fokus: Bis 2030 will Rio Tinto die Jahresproduktion auf 1 Million Tonnen steigern, ein Plus von rund 40 Prozent gegenüber 2024.
Investoren zeigen sich erleichtert
Die Finanzmärkte nahmen Trotts Kurswechsel positiv auf. In London legte die Aktie am Mittwoch um 0,23 Prozent auf 45,87 Pfund zu, in Sydney kletterte das Papier zwischenzeitlich sogar um fast drei Prozent.
Für Anleger zählt die Aussicht, dass der neue CEO die Profitmaschine Eisenerz stabil hält und gleichzeitig Zukunftsmetalle stärker ins Zentrum rückt.
Alte Stärke, neue Richtung
Rio Tinto muss einen schwierigen Spagat meistern: Einerseits bleibt Eisenerz das Rückgrat, andererseits erzwingt der globale Wettlauf um Metalle für Batterien, Stromnetze und erneuerbare Energien eine Neuaufstellung.
Trott, der vier Jahre lang die Pilbara-Minen geführt hat, kennt das Geschäft im Detail – und steht nun vor der Aufgabe, den Konzern nicht nur effizienter, sondern auch zukunftsfähig zu machen.
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