Doppelrolle unter Druck
Seit 2015 lenkt Oliver Blume die Geschicke von Porsche, seit 2022 zusätzlich den Mutterkonzern Volkswagen. Für Investoren war diese Personalunion von Beginn an ein Risiko. Zwei Marken, die im Wettbewerb um Marktanteile stehen, parallel zu führen – das wirkt effizient auf dem Papier, birgt aber Zielkonflikte im Alltag.
Mit dem verschärften Druck auf die Autobranche, von US-Zöllen bis hin zum Absatzrückgang in China, stieg die Kritik. Spätestens nachdem Porsche seinen Ausblick in diesem Jahr gleich zweimal senken musste und VW parallel mitten im Umbau steckt, wurde die Frage laut: Kann ein Mann wirklich beide Konzerne gleichzeitig steuern?
Familienrat in Zuffenhausen
Nach Informationen von Bloomberg hat die Eigentümerfamilie Porsche-Piëch bereits Gespräche mit potenziellen Nachfolgern aufgenommen. Diskutiert werden sowohl interne als auch externe Kandidaten. Ein offizielles Statement gibt es weder aus Stuttgart noch aus Wolfsburg. Dass der Prozess läuft, gilt dennoch als sicher.
Der Schritt wäre auch ein Signal an die Märkte: Klarheit in der Führungsspitze soll Vertrauen zurückbringen. Analysten hatten seit Monaten darauf hingewiesen, dass Porsche einen Chef brauche, der sich ausschließlich auf das Luxusgeschäft konzentriert – gerade jetzt, wo die Nachfrage in China schwächelt und die Preismacht nicht mehr selbstverständlich ist.
Börse atmet auf
Die Investoren reagierten prompt. Die Volkswagen-Aktie legte am Mittwochvormittag um knapp 0,5 Prozent auf 101,95 Euro zu, Porsche-Papiere gewannen 0,29 Prozent auf 37,54 Euro. Die Kursreaktion zeigt, wie groß der Wunsch nach eindeutigen Strukturen war.

Gleichzeitig bleibt offen, wer die Nachfolge antritt – und mit welchem Kurs. Porsche steht vor der Aufgabe, den Spagat zwischen exklusiver Luxusmarke und breiter Elektrifizierung zu meistern. Ein neuer CEO wird nicht nur Manager, sondern auch Stratege und Markenarchitekt sein müssen.
Signalwirkung für Wolfsburg
Für Oliver Blume bedeutet der Schritt, dass er seine Energie auf die Mammutaufgabe Volkswagen konzentrieren kann. Der Konzern steckt mitten in einer Restrukturierung, kämpft mit schwacher Profitabilität und einer Flut von Wettbewerbern aus China und den USA.
Ein klarer Fokus auf Wolfsburg könnte helfen, den Konzern wieder in die Spur zu bringen. Für Porsche wiederum eröffnet die Nachfolgesuche die Chance auf einen Neuanfang – und möglicherweise auf eine Führung, die wieder ganz der DNA des Sportwagenbauers verpflichtet ist.
Ein Ende mit Ansage
Der Abgang von Blume bei Porsche wäre kein Bruch, sondern die logische Konsequenz aus einer Entwicklung, die seit Monaten in der Luft liegt. Für die Eigentümerfamilie ist es der Versuch, Stabilität in zwei angeschlagene Marken zu bringen.
Dass die Börse positiv reagiert, zeigt: Die Zeit der Doppelrolle war abgelaufen. Jetzt zählt, wer das Steuer in Zuffenhausen übernimmt – und ob er Porsche in einem schwierigen Marktumfeld wieder auf Kurs bringt.
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