Inmitten eines dramatischen politischen Wandels hat Han Duck-soo, Südkoreas Premierminister, das Amt des geschäftsführenden Präsidenten übernommen. Dieser Wechsel tritt in Kraft, nachdem Präsident Yoon Suk Yeol nach einem missglückten Versuch, das Kriegsrecht zu verhängen, vom Parlament suspendiert wurde. Han, ein erfahrener Technokrat mit jahrzehntelanger Expertise in verschiedenen politischen Rollen, steht nun vor der herausfordernden Aufgabe, die Regierung in einer ihrer schwersten Krisen führungslos zu halten.
Als eine Schlüsselfigur über Parteigrenzen hinweg hat Han in den letzten 30 Jahren unter fünf verschiedenen Präsidenten gedient und Rollen wie Finanzminister, Handelsminister und Botschafter innegehabt. Besonders seine Fähigkeit, sowohl konservative wie auch liberale Regierungen zu unterstützen, hebt ihn hervor. Mit einem Harvard-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften und einer reputationsfördernden Rationalität erscheint er für die kommenden Herausforderungen gerüstet. Doch drohende Untersuchungen in Bezug auf die Kriegsrechtsentscheidung könnten seine Amtszeit gefährden.
Han hat 2009 als Südkoreas Botschafter in den USA eine entscheidende Rolle beim Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten gespielt. Verbunden mit seiner Erfahrung als Vorstandsmitglied des unabhängigen südkoreanischen Raffineriekonzerns S-Oil, steht er unbestritten für umfassende internationale und wirtschaftliche Kenntnisse. Dennoch bleibt sein aktueller Einflussbereich umstritten: Die Verfassung speziell regelt nicht, wie umfangreich seine Befugnisse in der Kommissarposition sein sollten. Die offizielle Entscheidung des Verfassungsgerichts über die Zukunft Yoons, entweder durch seine Rückkehr oder eine Neuwahl, bleibt abzuwarten.
Die Hauptoppositionspartei, die Demokratische Partei, fordert mittlerweile auch Han in die Untersuchungen einzubeziehen, was das politische Gleichgewicht zusätzlich ins Wanken bringt. Sollte das Parlament Han ebenfalls anklagen, würde der Finanzminister als Nächster in der Kabinettsreihe die Rolle des amtierenden Präsidenten übernehmen.