Kritik an Kinder-Hijabs
Auslöser der Kontroverse war ein Angebot, das Hijabs in verschiedenen Farben für Mädchen zwischen fünf und acht Jahren anpries. Der Händler stellte Strapazierfähigkeit und Tragekomfort heraus. In der Artikelbeschreibung hieß es, die Kopftücher seien ein „modischer Begleiter, den Ihr Kind lieben wird“.
Der Fall sorgte für Empörung, da Kritiker die Kleidungsstücke als Symbol religiöser Bevormundung schon im Kindesalter sehen. FDP-Bundestagsabgeordneter Gerald Ullrich kommentierte: „Wir leben in einer freien Gesellschaft, in der Kinder nicht unter ein Kopftuch gezwängt werden.“
Boykottaufrufe und Reaktion
Auf der Plattform X mehrten sich binnen weniger Stunden Boykottaufrufe. Zahlreiche Nutzer forderten, Otto müsse stärker kontrollieren, welche Produkte über den eigenen Marktplatz angeboten werden.
Das Unternehmen reagierte am Montag.
„Wir haben die betreffenden Produkte auf unserem Marktplatz vorübergehend deaktiviert“, erklärte Otto-Sprecher Ingo Bertram.
Man werde prüfen, wie künftig mit religiösen Symbolen bei Kinderartikeln umgegangen werde.
Ein strukturelles Problem der Plattformwirtschaft
Otto betreibt nach eigenen Angaben einen Marktplatz mit derzeit rund 6.200 aktiven Partnerhändlern. Diese unterliegen zwar einem Kriterienkatalog, rechtlich verbotene Waren wie Waffen oder extremistische Symbole sind ausgeschlossen – religiöse Kleidungsstücke fallen jedoch nicht darunter.
Das Problem betrifft nicht nur Otto. Auch auf Amazon, Ebay, Temu und Kaufland sind Kinder-Hijabs in unterschiedlichen Varianten verfügbar, teilweise sogar für Babys und Kleinkinder. Auf Change.org kursieren aktuell über 20 Petitionen, die sich gegen entsprechende Angebote bei großen Online-Plattformen wenden.
Nachdem Apollo News über islamische Kopftücher für Mädchen ab fünf Jahren beim Versandhändler Otto berichtet hat, sind die Produkte von dessen Webseite verschwunden. Doch das Unternehmen äußert sich bislang nicht dazu. https://t.co/E9QV9v0Qv1 pic.twitter.com/oRhxDy3a9w
— Apollo News (@apollo_news_de) August 26, 2025
Gesellschaftliche Dimension
In Deutschland leben laut Statistischem Bundesamt rund 5,5 Millionen Muslime, knapp die Hälfte davon sind Frauen. Während für viele Familien das Kopftuch Ausdruck religiöser Identität ist, sehen Kritiker darin ein Zeichen struktureller Ungleichheit. Besonders Kinderkopftücher gelten als umstritten, weil sie nach Auffassung von Gegnern nicht Ausdruck eines selbstbestimmten Glaubens sein können.
Offene Fragen
Otto kündigte an, in den kommenden Wochen mit einem Expertenteam über den Umgang mit religiöser Symbolik in Kinderprodukten zu beraten. Konkrete Richtlinien gibt es bisher nicht. Die betroffenen Produkte sind auf der Plattform des Händlers inzwischen verschwunden – auf den externen Shops der Verkäufer aber weiterhin erhältlich.
Der Fall zeigt, wie schwer es großen Online-Marktplätzen fällt, zwischen rechtlicher Zulässigkeit, gesellschaftlicher Verantwortung und öffentlicher Erwartungshaltung eine klare Linie zu ziehen.
Das könnte Sie auch interessieren:
