22. April, 2024

Pharma

NRW forciert Bewusstseinswandel bei Organspende mit Kampagne und Gesetzesinitiative

NRW forciert Bewusstseinswandel bei Organspende mit Kampagne und Gesetzesinitiative

In einem ambitionierten Vorstoß, der sowohl eine verstärkte Aufklärung als auch eine gesetzliche Neuregelung umfasst, strebt Nordrhein-Westfalen eine Trendwende bei den stagnierenden Zahlen der Organspenden an. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann kündigte an, die Bereitschaft zur Organspende durch eine landesweite Kampagne zu fördern und mit einer Gesetzesinitiative im Bundesrat die sogenannte Widerspruchslösung zu verankern. Nach diesem Prinzip würde grundsätzlich jeder als Organspender nach dem Tod in Betracht kommen, außer es existiert eine explizite Ablehnung zu Lebzeiten. Die Bemühungen reagieren auf die landesweite Diskrepanz von Organspendebereitschaft und tatsächlichen Spenden.

Mit der Initiative '#NRWEntscheidetSich' soll gesellschaftlich für mehr Engagement bei der Beschäftigung mit dem Thema Organspende geworben werden. Trotz positiver Einstellung vieler Menschen zum Organspenden spiegelt sich dies nicht in den Zahlen wider – lediglich 166 Organe wurden 2023 in NRW gespendet, wohingegen 1800 Patienten auf Organe warten.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz übte Kritik an Laumanns Initiative und betonte die Notwendigkeit, die organisatorischen Aspekte des Spendsystems zu verbessern, anstatt die Bürgerrechte zu beschneiden. Die Widerspruchslösung könne zwar potenziell die Spenderzahl erhöhen, doch andere Faktoren seien ebenso entscheidend.

Dessen ungeachtet plant Laumann die Einbringung eines Gesetzentwurfs bis Mitte Juni, um die parlamentarische Debatte in Gang zu bringen und appelliert an die Unterstützung weiterer Bundesländer für eine Widerspruchslösung, die bereits in 26 europäischen Staaten etabliert ist. Der erste Anlauf für eine solche Lösung scheiterte 2020 im Bundestag.

Über digitale Kanäle wie Facebook, Instagram und X will die Initiative #NRWEntscheidetSich breite gesellschaftliche Kreise mobilisieren und verbindet dabei gesellschaftliche mit bildungsorientierten Ansätzen. Ziel ist es, ohne Zwang, aber mit klarer Botschaft, insbesondere junge Menschen für eine bewusste Auseinandersetzung mit der Thematik zu gewinnen. Neben Fahrschulen und Erste-Hilfe-Kursen sollen weiterführende Schulen als Vermittlungsinstanz dienen.

Die individuelle Entscheidung für oder gegen eine Organspende – welche auch digital im neuen Online-Register dokumentiert werden kann – entlastet nicht nur die Angehörigen in schweren Stunden, sondern ist Ausdruck einer gesellschaftlichen Haltung, die Leben retten kann. Mehr als 70.000 Menschen haben sich bereits im Register verzeichnet und damit Position bezogen.