Der bevorstehende Regierungswechsel in Polen sorgt bei den Spitzenvertretern der Europäischen Union für große Freude. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen lobte die Erfahrung und das starke Engagement des künftigen Ministerpräsidenten Donald Tusk für europäische Werte. Auch EU-Ratspräsident Charles Michel gratulierte Tusk und betonte, dass seine Erfahrung und sein Einsatz für eine gestärkte und vereinte EU von unschätzbarem Wert seien.
Die EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola äußerte sich ebenfalls positiv und betonte, dass man gemeinsam die aktuellen Herausforderungen angehen werde. Sie freue sich darauf, mit einem überzeugten EU-Anhänger und Freund für ein wohlhabendes Polen und ein stärkeres Europa zu arbeiten.
Tusk, der Chef der liberalkonservativen Bürgerkoalition (KO), wurde am Montagabend vom Parlament mit der Regierungsbildung beauftragt. Er wird damit Nachfolger von Ministerpräsident Mateusz Morawiecki von der nationalkonservativen Partei PiS. Bei der Wahl am 15. Oktober hatte die PiS die stärkste Fraktion gestellt, die allerdings die absolute Mehrheit verfehlte. Dagegen kamen drei proeuropäische Parteien der bisherigen Opposition unter Führung von Tusk auf eine klare Mehrheit im polnischen Parlament.
In Brüssel hofft man nun auf eine deutliche Verbesserung des Verhältnisses zwischen Polen und der EU. In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder großen Streit gegeben, unter anderem aufgrund umstrittener Justizreformen und der Blockade von milliardenschweren Corona-Hilfsgeldern durch die EU-Kommission.
An der Europafreundlichkeit von Tusk besteht in der EU jedoch kein Zweifel. Der 66-jährige Politiker war bereits von 2007 bis 2014 Regierungschef in Polen und später Präsident des Europäischen Rates, wo er unter anderem die EU-Gipfel leitete.