23. Juni, 2024

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Nachhaltige Kapitalflucht: ESG-Fonds erleben erstmals Rückgang

Nachhaltige Kapitalflucht: ESG-Fonds erleben erstmals Rückgang

Im Fokus des Investmentgeschehens stehen nachhaltige Anlageformen, die trotz eines Aufwärtsmarkts zum ersten Mal in ihrer noch jungen Geschichte von erheblichen Kapitalabflüssen betroffen sind. So verzeichneten ESG-Fonds, deren Vermögenswerte zuvor auf über 1,7 Billionen US-Dollar angestiegen waren, dieses Jahr ungewöhnliche Nettokapitalabflüsse von 38,5 Milliarden US-Dollar.

Diese Entwicklung ist umso bemerkenswerter, als im vergangenen Jahr lediglich ein Nettozufluss von knapp 17 Milliarden US-Dollar zu verzeichnen war, was im Vergleich zu den 19 Milliarden US-Dollar an Abflüssen bei nicht ausdrücklich als ESG deklarierten Fonds noch als Erfolg gewertet werden könnte. Betrachtet man die Rekordzuflüsse von über 300 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021, wird das aktuelle Abschneiden der ESG-Fonds als besonders schwach wahrgenommen.

Diese Abwärtstrends sind nicht ausschließlich dem Gesamtmarkt geschuldet, denn nicht explizit als ESG konzipierte globale Aktienfonds haben in diesem Jahr bereits Kapitalzuflüsse von 216 Milliarden US-Dollar verzeichnet. Analysten, wie Arthur van Slooten von SocGen, vermuten die Ursache in einer Underperformance von etablierten ESG-Indizes und fordern eine strategische Neuausrichtung des Ansatzes, die auch Analystenprognosen berücksichtigt.

Die Probleme werden laut van Slooten durch eine zu enge Auslegung von ESG-Prinzipien verursacht, welche die Diversifikation in der Branchenzuordnung behindert und Risiken in kleinen sowie mittelgroßen Unternehmen konzentriert. Ein Fortschritt hin zu einer dynamischen Betrachtung von ESG-Leistungen, gestützt durch quantifizierbare Kriterien und Prognosen, könnte hier Abhilfe schaffen, besonders in Bezug auf Energiekomponenten und spezifische Umweltparameter.

Wenngleich sich der Trend bei den Kapitalflüssen in jüngster Zeit scheinbar stabilisiert hat, bleibt die Frage, ob die beobachteten Rückgänge lediglich temporäre Ausnahmeerscheinungen darstellen oder ein Vorzeichen für grundsätzliche Veränderungen im Bereich der nachhaltigen Investments sind. Da das Thema ESG bei Vermögensverwaltern aufgrund höherer Gebühren beliebt ist, hofft die Branche auf eine baldige Wiederbelebung der Zuflüsse in ESG-Fonds.