23. Juni, 2024

Wirtschaft

Moderater Anstieg beim Bau von Sozialwohnungen: Herausforderungen bleiben

Moderater Anstieg beim Bau von Sozialwohnungen: Herausforderungen bleiben

Deutschland sieht sich weiterhin mit einem Defizit an Sozialwohnungen konfrontiert. Dennoch konnte im letzten Jahr ein leichter Anstieg in diesem Bereich verzeichnet werden. Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag geht hervor, dass der Neubau von Sozialwohnungen um etwa zwei Prozent zugenommen hat. Konkret bedeutet dies, dass rund 23.000 neue Sozialwohnungen entstanden sind, etwa 500 mehr als im Vorjahr.

Bemerkenswert ist, dass die Zuwächse regional sehr unterschiedlich ausfielen. In Thüringen, Rheinland-Pfalz, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern konnten besonders viele neue Sozialwohnungen realisiert werden. Dagegen stagnierte die Neubautätigkeit in Hessen, Sachsen und Baden-Württemberg. Die Ausgangslage in den einzelnen Bundesländern ist dabei stark unterschiedlich. Ein Beispiel: In Sachsen-Anhalt wurden im vergangenen Jahr zwar nur fünf neue Sozialwohnungen gebaut, jedoch mehr als 680 vom Bund gefördert, da zahlreiche leerstehende Wohnungen modernisiert wurden.

Der Bund stellte insgesamt Fördermittel für 49.430 Wohnungen für Menschen mit kleinem Einkommen bereit. Diese Unterstützung fließt sowohl in Neubauten als auch in die Modernisierung bestehender Mietwohnungen, den Erwerb von Belegungsbindungen mit niedrigen Mieten, Wohnheimplätze für Studenten und Azubis sowie in selbstgenutztes Wohneigentum.

Trotz dieser Maßnahmen sank die Zahl der Sozialwohnungen insgesamt weiter. Ende 2023 gab es bundesweit rund 1,072 Millionen solcher Wohnungen, etwa 15.300 weniger als im Vorjahr. Die Ampel-Koalition hatte ursprünglich das ambitionierte Ziel, jährlich 100.000 neue Sozialwohnungen zu schaffen. Allerdings fällt gleichzeitig eine beträchtliche Anzahl bestehender Sozialwohnungen aus der Mietpreisbindung und kann daher teurer vermietet werden.

Die Wohnungspolitik-Expertin der Linken, Caren Lay, kritisierte die aktuelle Situation und bemängelte, dass der soziale Wohnungsbau auf einem viel zu niedrigen Niveau stagniere. „Die Bundesregierung unterlässt die nötigen Maßnahmen, um soziales und bezahlbares Wohnen zu garantieren“, so Lay. Ihrer Ansicht nach reichen die 2,5 Milliarden Euro Bundesförderung im Jahr 2023 nicht aus. Sie fordert ein öffentliches Wohnungsbauprogramm, das soziale, gemeinnützige, kommunale und genossenschaftliche Wohnungen fördert, und eine Lösung für das Problem der auslaufenden Sozialbindungen. „Einmal Sozialwohnung, immer Sozialwohnung, muss endlich gelten“, betonte Lay.