17. Juli, 2024

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Mega-Hurrikan „Beryl“ schüttelt die Karibik

Mega-Hurrikan „Beryl“ schüttelt die Karibik

Als untypisch früher Hurrikan der höchsten Kategorie fegt „Beryl“ derzeit durch die Karibik und sorgt für massive Verwüstungen. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 270 Kilometern pro Stunde hat der Sturmkurs laut dem US-Hurrikanzentrum NHC die Windward-Inseln im Südosten der Karibik ins Visier genommen und Jamaica im Blick. „Beryl“ markiert den ersten Hurrikan dieser Saison im Atlantik und stellt einen schockierenden Rekord auf: Noch nie zuvor wurde ein so starker Sturm so früh in der Jahreszeit, die Anfang Juni startet und ein halbes Jahr dauert, registriert. Experten machen die außergewöhnlich warmen Meereswassertemperaturen für die Intensivierung der Wirbelstürme verantwortlich. Eine der ersten betroffenen Inseln war Carriacou, Teil des kleinen Karibikstaates Grenada. Brandon Clement, ein bekannter Sturmjäger, dokumentierte die erschreckenden Szenen beim Aufeinandertreffen des Hurrikans mit der Insel. Dächer wurden abgerissen, Palmen knickten um, als wären sie Streichhölzer, und Trümmerteile schwirrten durch die Luft. Grenadas Premierminister Dickon Mitchell äußerte in einem live übertragenen Briefing, dass Carriacou innerhalb von 30 Minuten fast vollständig zerstört wurde. Der menschliche Tribut ist ebenfalls erdrückend. Grenada meldete bislang zwei Todesfälle, während St. Vincent und die Grenadinen den Verlust eines weiteren Lebens beklagen. Besonders dramatisch ist die Situation auf der Insel Union, wo 90 Prozent der Häuser beschädigt oder zerstört wurden, so Premierminister Ralph Gonsalves. Kommunikationsprobleme erschweren die Katastrophenhilfe, und Stromausfälle sowie blockierte Straßen verschärfen die Lage zusätzlich. Meteorologisch stellt „Beryl“ einen einzigartigen Fall dar. In weniger als 24 Stunden entwickelte sich der Sturm von einem Tropensturm zu einem Hurrikan der Kategorie 4 und ist weiter stärker geworden. Der im Juli 2005 aufgezeichnete Hurrikan Dennis war bislang der früheste Wirbelsturm der Kategorie 4. Laut dem Experten Michael Lowry und dem Meteorologen Philip Klotzbach von der Colorado State University ist „Beryl“ jedoch der stärkste jemals im Juli gemessene Atlantik-Hurrikan. Grund dafür sei das extrem warme Wasser in der Karibik, das normalerweise erst Mitte September solche Temperaturen erreicht. Die Erwärmung des Meerwassers infolge des Klimawandels trägt maßgeblich zur Intensität der Stürme bei. Studien, wie die im „Scientific Reports“, zeigen, dass steigende Oberflächentemperaturen tropische Wirbelstürme schneller an Stärke gewinnen lassen. Die laufende Erwärmung und der bevorstehende Einfluss von „La Niña“ deuten laut der NOAA auf eine besonders aktive Hurrikansaison hin. „Beryl“ bewegt sich rasch in Richtung West-Nordwest und wird wahrscheinlich am Mittwoch die Nähe Jamaikas und am Donnerstag die Kaimaninseln erreichen. Obwohl eine Abschwächung des Sturms erwartet wird, bleibt er gefährlich. Jamaikas Premierminister Andrew Holness hat die Bevölkerung zur Vorsorge und Vorratshaltung aufgerufen, um sich auf den Durchzug des Sturms zu wappnen.